TU Wien:Algebra und Diskrete Mathematik VU (diverse)/Übungen 2025W/Beispiel 426

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Man zeige, dass für eine beliebige Menge M die Algebra ⟨(𝔓(M),△,∩⟩ ein kommutativer Ring mit Einselement ist. Für welche M ist dieser Ring sogar ein Körper?

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Definition der symmetrischen Differenz

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A△B=(A∖B)∪(B∖A)

C heißt symmetrische Differenz der Mengen A und B,

C=A△B,

wenn C alle Elemente aus A enthält, die nicht zu B gehören und alle Elemente aus B, die nicht zu A gehören, d.h.:

A△B=(A∖B)∪(B∖A)=(A∪B)∖(A∩B)

VENN-Diagramm:

Theoretische Grundlagen (Zusammenfassung von mnemetz)

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Gesetze und Eigenschaften von algebraischen Strukturen

Eine algebraische Struktur ist eine nichtleere Menge G mit einer oder mehreren Operationen.

Folgende Eigenschaften kann eine solche Struktur annehmen:

  1. Abgeschlossenheit: G×G=G, für a,b∈G→a∘b∈G (d.h. ist eindeutig zugeordnet). Das ∘ entspricht einer Funktion von ∘:G×G→G
  2. Assoziativgesetz: a∘(b∘c)=(a∘b)∘c für alle a,b,c∈G.
  3. Einheitselement: Es existiert ein e∈G, so dass für alle a∈G gilt: a∘e=e∘a=a.
  4. Inverses Element: Für jedes a∈G gibt es ein inverses Element a′∈G (oder auch a−1) so, dass gilt a∘a′=a′∘a=e. Wobei das e das Einheitselement ist.
  5. Kommutativgesetz: a∘b=b∘a für alle a,b∈G.
  Nr.   Gruppoid   Halbgruppe   Monoid   Gruppe   Abelsche Gruppe
  1     X          X            X        X        X
  2                X            X        X        X
  3                             X        X        X
  4                                      X        X
  5                                               X

Lösungsvorschlag von mnemetz

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Basierend auf f.thread:38144, etwas editiert und erweitert. --Mnemetz 03:33, 19. Dez 2005 (CET)

Für die symmetrische Differenz

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Abgeschlossenheit

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Wie schon aus den VENN-Diagrammen hervorgeht, ist eine Abgeschlossenheit gegeben.

Assoziativität

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(A△B)△C=A△(B△C)

Es liegt die Assoziativität vor!

Man könnte dies mit der Elementtafel nachweisen (Auszug):

A B C \ A△B (A△B)△C \ B△C A△(B△C)
∈ ∈ ∈ \ ∉ ∈ \ ∉ ∈
∈ ∈ ∉ \ ∉ ∉ \ ∈ ∉

neutrales Element (Einheitselement)

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Das neutrale Element existiert', es ist die leere Menge ∅, denn A△∅=∅△A=A∀A∈𝔓(M).

Inverses Element

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Auch das inverse Element existiert, und zwar A' = A: jedes Element ist zu sich selbst invers.

Kommutativität

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Auch eine Kommutativität liegt vor.

𝔓(M):(A△B)=(A∖B)∪(B∖A)=(B∖A)∪(A∖B)=(A∪B)∖(A∩B)) - die symmetrische Differenz ist daher kommutativ

Schlussfolgerung

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Es liegt ein Abelsche Gruppe vor mit Nullelement ∅.

Für den Durchschnitt

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Abgeschlossenheit

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Falls A,B∈𝔓(M)⇒A∩B∈𝔓(M): erfüllt

Assoziativität

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A∩(B∩C)=(A∩B)∩C∀A,B∈𝔓(M): erfüllt

neutrales Element (Einheitselement)

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∃A∩e=e∩A=A∀A∈𝔓(M): erfüllt für e = M -> Einselement

Inverses Element

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∃A∩A′=A′∩A=e∀A,A′∈𝔓(M)

Existiert i.A. nicht, da A∩B⊆A für alle A,B∈𝔓(M), d,h, für A⊊M ist auch A∩B⊊M --- also ist A∩B≠M für alle A,B∈𝔓(M),A≠M

Für A=M ist allerdings M∩M=M, d.h. M hat ein Inverses.

Kommutativität

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A∩B=B∩A∀A,B∈𝔓(M): erfüllt

Schlussfolgerung

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⟨(𝔓(M),∩⟩ ist ein kommutatives Monoid mit Einselement M.

Distributivgesetze müssen gelten

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  1. a∗(b+c)=a∗b+a∗c
  2. (a+b)∗c=a∗c+b∗c

Am besten überprüft man das Gesetz, indem man die Mengen aufzeichnet, die Schnittmengen markiert und miteinander vergleicht. Analog dazu überprüft man auch das 2. Gesetz -> erfüllt.

Um ganz sicher zu gehen, sollte man sich die Elementtafel (s.o.) aufzeichnen. Man braucht auch nur eines der beiden Gesetze nachzuweisen, da ⟨𝔓(M),∩⟩ abelsch ist.

Bei der algebraischen Struktur ⟨𝔓(M),△,∩⟩ handelt es sich um einen kommutativen Ring mit Einselement.

Das ist genau dann ein Körper, wenn |M|=1

Beweis:

Sei M={a}, dann ist 𝔓(M)={∅,{a}}. Es genügt zu zeigen, dass ⟨𝔓(M)∖{∅},∩⟩ abelsche Gruppe ist. Es ist {a}∩{a}={a}∈{{a}}. Damit ist das bereits eine abelsche Gruppe.

Sei umgekehrt ⟨𝔓(M)∖{∅},∩⟩ abelsche Gruppe, dann existiert zu jedem A∈𝔓(M)∖{∅} ein Inverses in 𝔓(M)∖{∅}, was nach 4.2.4 bedeutet, dass 𝔓(M)∖{∅}={M}, d.h. |M|=1.

(Für |M|=0 ist 𝔓(M)∖{∅}=∅, d.h. kein Gruppoid.)