TU Wien:Algebra und Diskrete Mathematik VU (diverse)/Übungen 2023W/Beispiel 311

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Sei G ein schlichter Graph mit α0(G)>4. Man zeige, daß dann entweder G oder Gk (der komplementäre Graph, siehe Aufgabe 305) einen Kreis enthält.

Gibt es in einem ungerichteten Graphen G zwei verschiedene Knoten v,w und zwei verschiedene Wege, die diese Knoten verbinden, dann gibt es einen Kreis positiver Länge, der nur Kanten aus diesen beiden Wegen enthält.

Handschlaglemma: ∑v∈V(G)d(v)=2|E(G)|
Kantenanzahl in einem vollständigen Graph Kn: α0(Kn)=n→α1(Kn)=(n2)=n∗(n−1)2

Lösungsvorschlag von neo

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Aus der Angabe ablesbar (mithilfe von 305):
α0(G)>4
V(G′)=V(G)
E(G′)=V×V∖E(G)∪{(x,x)∣x∈V}

Wenn G einen Kreis enthält, so ist nichts zu beweisen. Wenn G keinen Kreis enthält, so gibt es zwischen je zwei Knoten u,v keine zwei verschiedenen Wege, welche u mit v verbinden. Daraus folgt, dass jeder Knoten eines Graphen ohne Kreis den Knotengrad 2 haben muss, bis auf 2 Knoten, welche jeweils den Knotengrad 1 haben. (Dabei kann man sich einen Weg vorstellen, welchen man durch alle Knoten eines Graphen zeichnet. Die zwei Knoten mit Grad 1 wären Anfangs- bzw. Endknoten)

Formal dargestellt: d(x1)=d(x2)=1∧∀x∈V(G)∖{x1,x2}∣d(x)=2

Nun das Handschlaglemma verwenden für α0(G)>4→α0≥5

∑v∈V(G)d(v)=2|E(G)|→∑v∈V(G)∖{x1,x2}|V(G)|−2d(v)+d(x1)+d(x2)=2+2+2+1+1=8=2∗|E(G)|=2∗4→|E(G)|=4

Nun wissen wir, dass der Graph G 4 Kanten hat, wenn er keinen Kreis besitzt.
α1(K5)=5∗42=10→α1(G′)=α1(K5)−α1(G)=10−4=6
Da V(G)=V(G′)→α0(G)=α0(G′)=5

Nun hat man also 6 Kanten zur Verfügung um sie auf 5 Knoten aufzuteilen. Dies kann man mithilfe des Schubfachprinzips lösen. Die 6 Kanten lassen sich nicht auf die 5 Knoten (Schubfächer) aufteilen, ohne dass zumindest 2 Kanten auf einen Knoten kommen. Damit wurde bewiesen, dass entweder ein Graph oder sein komplementärer Graph einen Kreis enthält, wenn α0(G)>4 gilt.

Kritik an Lösungsvorschlag:

Der Lösungsvorschlag sieht unzureichend aus. Die Schlussfolgerung, dass jeder Knoten ohne Kreis einen Knotengrad von 2 haben muss bis auf 2 Endknoten ist meiner Meinung nach falsch, da ein schlichter ungerichteter Graph auch ein Wald sein kann, d.h aus mehreren zusammenhangslosen Bäumen bestehen kann. Damit könnte ich 5 verschiedene Bäume machen, die nur aus einem Knoten bestehen zum Beispiel. Davon abgesehen ist auch die Annahme, dass ein Baum mit mehr als 4 Knoten nur 2 Endknoten hat auch falsch, er kann auch 3 oder mehr haben. Diese Fälle werden in der Lösung nicht in Betracht gezogen.