TU Wien:Algebra und Diskrete Mathematik VU (diverse)/Übungen 2025W/Beispiel 414

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Untersuchen Sie, ob die folgenden Strukturen Ringe, Integritätsringe bzw. Körper sind:

M={0,1} mit der Addition modulo 2 und dem Produkt a⋅b=0‾ für alle a,b∈M.

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(Definition 2.61)

Eine algebraische Struktur (R,+,⋅) ist ein Ring, wenn:

  • (R,+) ist eine kommutative Gruppe (mit neutralem Element 0) (Anm.: = "abelsche Gruppe"),
  • (R,⋅) ist eine Halbgruppe,
  • es gelten die Distributivgesetze:
    • a⋅(b+c)=a⋅b+a⋅c
    • (a+b)⋅c=a⋅c+b⋅c

Ring mit Einselement

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  • (R,⋅) besitzt ein neutrales Element (= Monoid)

kommutativer Ring

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  • (R,⋅) ist kommutativ
Integritätsring
Integritätsring[Bearbeiten, Wikipedia, 2.71 Definition]

Kommutativer Ring mit Einselement ohne Nullteiler.

(Definition 2.66)

  • Integritätsring mit multiplikative Inversen

(Definition 2.37)

  • Halbgruppe
    • assoziativ
  • Monoid
    • assoziativ, neutrales Element
  • Gruppe
    • assoziativ, neutrales Element, inverses Element
  • abelsche Gruppe
    • assoziativ, neutrales Element, inverses Element

(Definition 2.34)

  • assoziativ
    • (a∘b)∘c=a∘(b∘c)
  • neutrales Element
    • e∘a=a∘e=a
  • inverses Element
    • a∘a′=a′∘a=e
  • kommutativ
    • a∘b=b∘a

Lösungsvorschlag

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von --Vodi 18:12, 12. Dez. 2010 (CET)

Als erstes Überprüfen wir einmal, ob M ein Ring ist.

Jetzt überprüfen wir, ob (R,+) eine abelsche Gruppe ist.

(Achtung: Addition modulo 2!)

Operationstafel:

+01001110

(a∘b)∘c=a∘(b∘c)

(0∘1)∘0=0∘(1∘0)

1∘0=0∘1

1=1 w.A.

neutrales Element?

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e∘a=a∘e=a

e:=0,a:=1

0∘1=1∘0=1

1=1=1 w.A.

inverses Element?

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a∘a′=a′∘a=e

a:=1,a′:=1

1∘1=1∘1=0

0=0=0 w.A.

a∘b=b∘a

a:=0,b:=1

0∘1=1∘0

1=1 w.A.

Alle vier Anforderungen erfüllt: (R,+) ist eine abelsche Gruppe

Jetzt müssen wir überprüfen, ob (R,⋅) eine Halbgruppe ist.

Wieder eine Operationstafel:

⋅01000100

Da a⋅b=0∀a,b∈M

(a∘b)∘c=a∘(b∘c)

(0∘1)∘0=0∘(1∘0)

0∘0=0∘0

0=0 w.A.

Distributivgesetze

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Jetzt überprüfen wir, ob die Distributivgesetze gelten:

a⋅(b+c)=a⋅b+a⋅c

0⋅(0+1)=0⋅0+0⋅1

0⋅1=0+0

0=0 w.A.

(a+b)⋅c=a⋅c+b⋅c

(0+0)⋅1=0⋅1+0⋅1

0⋅1=0+0

0=0 w.A.

Daraus schließen wir, dass es auf jedenfall ein Ring ist. Jetzt können wir überprüfen, ob M ein Integritätsring ist.

Dazu überprüfen wir, ob der Ring ein Einselement hat, sprich (M,⋅) ein neutrales Element hat.

e∘a=a∘e=a

für a setzen wir 1 ein:

e⋅1=1⋅e=1

Nun gibt es aber kein Element e, für dass die Aussage gilt --> es existiert kein neutrales Element.

Daher kann der Ring kein Integritätsring und auch kein Körper sein.

Lösungsvorschlag Me.Name

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Addition siehe oben.

Meiner Meinung nach sollte die Operationstafel der Multiplikation so aussehen:

⋅01000101

Es heißt ja a⋅b=0 und nicht b⋅b=0!

ACHTUNG: EDIT @Ombalat: Die Aussage stimmt nicht. L.t. Angabe gilt ∀a,b∈M:a⋅b=0 Das schließt den Fall a=b mit ein!

Aus dieser Operationstafel folgt nun, dass es ein 1 Element (neutrales Element der Multiplikation) gibt. Folglich mindestens Intigritätsring.

Es geht aber auch hervor, dass 0 kein Inverses besitzt. Deshalb Abbruch => maximal Intigritätsring.

Bleibt noch das Distributivgesetz.

a⋅(b+c)=a⋅b+a⋅c

0⋅(1+1)=0⋅1+0⋅1

0⋅0=0+0

0=0

(a+b)⋅c=a⋅c+b⋅c

(0+1)⋅1=0⋅1+1⋅1

1⋅1=0+1

1=1

Hier sieht man distributivität gegeben. => Ring => Intigritätsring jedoch kein Körper.

Abelsche Gruppe
Abelsche Gruppe
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Eine Abelsche Gruppe (G,∘) mit Funktion ∘:G×G→G ist

  • abgeschlossen bzgl. der Operation ∘ in G mit a,b∈G gilt a∘b∈G
  • assoziativ: ∀a,b,c∈G:a∘(b∘c)=(a∘b)∘c
  • besitzt ein neutrales Element e: ∃e∈G:∀a∈G:a∘e=e∘a=a
  • besitzt inverse Elemente a−1 bzw. a′: ∀a∈G:∃a−1∈G:a∘a−1=a−1∘a=e
  • sowie ist in allen Formen kommutativ bzw. abelsch: ∀a,b∈G:a∘b=b∘a
Ring
Ring[Bearbeiten, Wikipedia, 2.68 Definition]

Ein Ring (R,+,⋅) ist eine Menge R mit zwei binären Operationen + und ⋅, sodass

  • (R,+) eine kommutative Gruppe ist,
  • (R,⋅) eine Halbgruppe ist,
  • die Distributivgesetze
a⋅(b+c)=(a⋅b)+(a⋅c) und
(a+b)⋅c=(a⋅c)+(b⋅c)
für alle a,b,c∈R gelten.
Nullteiler

In einem Ring kann das Produkt zweier von 0 verschiedener Elemente trotzdem 0 sein. Z.B. gilt in ℤ6 die Beziehung 2‾⋅3‾=6‾=0‾. Man nennt im Allgemeinen ein Element a≠0 eines Ringes R Nullteiler, wenn es ein b≠0 aus R gibt, so dass a⋅b=0 oder b⋅a=0 ist. Dieses b ist damit natürlich auch ein Nullteiler. Ringe ohne Nullteiler werden gesondert betrachtet.

Integritätsring
Integritätsring[Bearbeiten, Wikipedia, 2.71 Definition]

Kommutativer Ring mit Einselement ohne Nullteiler.

Körper

Ein kommutativer Ring ⟨K,+,⋅⟩ mit Einselement 1≠0, in dem jedes Element a≠0 eine Einheit ist, also ein multiplikatives Inverses besitzt, heißt ein Körper.

--Har203 21:29, 27. Feb. 2026 (CET)

Untersuchen Sie, ob die folgenden Strukturen Ringe, Integritätsringe bzw. Körper sind:

M={0,1} mit der Addition modulo 2 und dem Produkt a⋅b=0‾ für alle a,b∈M.


Z.z.: ⟨M,+⟩ ist eine abelsche Gruppe:

Wir schauen uns zuerst einmal die Operationstafeln (+mod2) an:

+0‾1‾0‾0‾1‾1‾1‾0‾


Wir schauen uns jetzt die Operationstafeln (⋅→𝟎‾) an:

⋅0‾1‾0‾0‾0‾1‾0‾0‾

Wie aus der Operationstafel der Multiplikation erkennbar ist, gibt es einen Nullteiler: 1‾⋅1‾=0‾.


Für die weiteren Beweise werden wir folgende drei Variablen aus der Menge M verwenden: a,b,c∈M.

Bei ⟨M,+⟩ handelt es sich um eine Gruppe, die zu ⟨ℤ2,+⟩ isomorph ist: ⟨M,+⟩≅⟨≅ℤ2,+⟩. Damit können wir voraussetzen, dass dies eine abelsche, zyklische Gruppe.

  1. Assoziativität: ∀a,b,c∈M gilt::(a+b)+c=a+(b+c). √
  2. Existenz eines neutralen Elementes bezüglich der Addition: Es gibt ein neutrales Element: 0‾∈M mit ∀a∈M gilt:a+0‾=0‾+a=a. √
  3. Für alle Gruppenelemente a existiert ein inverses Element: ∀a∈M gilt:∃(−a)∈M mit:a+(−a)=(−a)+a=0‾. √
  4. Kommutativität: Für alle Elemente a,b∈M gilt:(a+b)=(b+a). √

⟹ Wir haben ⟨M,+⟩ als abelsche Gruppe mit neutralem Element 0‾.

Für einen Ring ⟨M,+,⋅⟩ werden wir folgende drei Eigenschaften prüfen:

  1. ⟨M,+⟩ ist eine kommutative Gruppe mit neutralem Element 0‾. √
  2. ⟨M,⋅⟩ ist eine Halbgruppe, und
  3. es gelten die beiden Distributivgesetze
  • Abgeschlossenheit: Die Operationstafel von (⋅) ist abgeschlossen, da in der Operationstafel nur ein einziges Element 0‾∈M enthalten ist.
  • Assoziativität bezüglich ⋅:
∀a,b,c∈M gilt:(a⋅b)⋅c=a⋅(b⋅c).
Egal wie, das Ergebnis ist immer 0‾. Bezüglich der Operation ⋅ gilt damit das Assoziativgesetz.
  • Kommutativität bezüglich ⋅: ∀a,b∈M gilt:(a⋅b)=(b⋅a).
Da in der Operationstafel nur das Element 0‾ vorkommt, gilt das Kommutativgesetz bezüglich ⋅ natürlich.
  • Für die beiden Distributivgesetze müssen folgende Eigenschaften gelten:
a⋅(b+c)=a⋅b+a⋅c(a+b)⋅c=a⋅c+b⋅c}∀a,b,c∈M.


  • 1.Distributivgesetz: a⋅(b+c)=a⋅b+a⋅c:
Jede Multiplikation liefert das Ergebnis 0‾⟹a⋅(b+c)=(0‾)=a⋅b+a⋅c=(0‾)+(0‾)=(0‾),∀a,b,c∈M.
⟹ Das 1.Disributivgesetz gilt in dieser Struktur.


  • 2.Distributivgesetz: (a+b)⋅c=a⋅c+b⋅c:
Analog zum 1.DG: Jede Multiplikation liefert das Ergebnis 0‾⟹(a+b)⋅c=(0‾)=a⋅c+b⋅c=(0‾)+(0‾)=(0‾),∀a,b,c∈M.
⟹ Das 2.Disributivgesetz gilt in dieser Struktur.


Zusätze

  • Einselement bezüglich ⋅: Es gibt kein neutrales Element in M bezüglich der Multiplikation.
  • Kommutativität: haben wir schon gezeigt.


⟹ Wir haben bezüglich der Addition eine abelsche Gruppe mit neutralem Element ⟨M,+⟩.

⟹ Wir haben bezüglich der Multiplikation eine kommutativen Halbgruppe ohne Einselement ⟨M,⋅⟩. Die beiden Distributivgesetze gelten ebenfalls.


Für einen Integritätsring bzw. für einen Körper fehlt bezüglich der Multiplikation ein Einselement und die Eigenschaft Nullteilerfrei,


Das Gesamtergebnis ⟹ ⟨M,+,⋅⟩ ist ein Ring, aber kein Integritätsring und auch kein Körper. ◼

Wikipedia:

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