TU Wien:Algebra und Diskrete Mathematik VU (diverse)/Übungen 2025W/Beispiel 415

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Untersuchen Sie, ob die folgenden Strukturen Ringe, Integritätsringe bzw. Körper sind:

M={0‾,1‾,2‾} mit der Addition modulo 3 und dem Produkt a⋅b=1‾ für alle a,b∈M.

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Lösung ist von Beispiel 317 übernommen, nur für die etwas geänderte Angabe angepasst

(Definition 2.61)

Eine algebraische Struktur (R,+,⋅) ist ein Ring, wenn:

  • (R,+) ist eine kommutative Gruppe (mit neutralem Element 0) (Anm.: = "abelsche Gruppe"),
  • (R,⋅) ist eine Halbgruppe,
  • es gelten die Distributivgesetze:
    • a⋅(b+c)=a⋅b+a⋅c
    • (a+b)⋅c=a⋅c+b⋅c

Ring mit Einselement

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  • (R,⋅) besitzt ein neutrales Element (= Monoid)

kommutativer Ring

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  • (R,⋅) ist kommutativ

Integritätsring

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(Definition 2.64)

  • kommutativer Ring mit Einselement ohne Nullteiler

(Definition 2.66)

  • Integritätsring mit multiplikative Inversen ∀a∈R

(Definition 2.37)

  • Halbgruppe
    • assoziativ
  • Monoid
    • assoziativ, neutrales Element
  • Gruppe
    • assoziativ, neutrales Element, inverses Element
  • abelsche Gruppe
    • assoziativ, neutrales Element, inverses Element (Anmerkung: muss auch kommutativ sein oder?)

(Definition 2.34)

  • assoziativ
    • (a∘b)∘c=a∘(b∘c)
  • neutrales Element
    • e∘a=a∘e=a
  • inverses Element
    • a∘a′=a′∘a=e
  • kommutativ
    • a∘b=b∘a

Lösungsvorschlag

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von --Vodi 18:12, 12. Dez. 2010 (CET) angepasst von --MatheFreak 23:12, 15. Dez. 2010 (CET)

Als erstes Überprüfen wir einmal, ob M ein Ring ist.

Jetzt überprüfen wir, ob (R,+) eine abelsche Gruppe ist.

(Achtung: Addition modulo 3!) *Edit peter1058: von modulo 2 auf modulo 3 geändert --> Angabe!

Operationstafel:

+0‾1‾2‾0‾0‾1‾2‾1‾1‾2‾0‾2‾2‾0‾1‾

(a∘b)∘c=a∘(b∘c)

(0‾∘1‾)∘2‾=0‾∘(1‾∘2‾)

1‾∘2‾=0‾∘0‾

0‾=0‾ w.A.

neutrales Element?

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e∘a=a∘e=a

e:=0‾,a:=1‾

0‾∘1‾=1‾∘0‾=1‾

1=1=1 w.A.

inverse Elemente?

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a∘a′=a′∘a=e

Null ist neutrale Element und daher automatisch zu sich selbst invers.

a:=1‾,a′:=2‾

1‾∘2‾=2‾∘1‾=0‾

0‾=0‾=0‾ w.A.

⇒1‾ ist das inverse zu 2‾ und 2‾ ist das Inverse zu 1‾

⇒∃a−1∀a∈M (zu alle Elementen in M existiert auch ein Inverses)

a∘b=b∘a

a:=0‾,b:=1‾

0‾∘1‾=1‾∘0‾

1‾=1‾ w.A.

Alle vier Anforderungen erfüllt: (M,+) ist eine abelsche Gruppe

Jetzt müssen wir überprüfen, ob (M,⋅) eine Halbgruppe ist.

Wieder eine Operationstafel:

⋅0‾1‾2‾0‾1‾1‾1‾1‾1‾1‾1‾2‾1‾1‾1‾

Da a⋅b=1∀a,b∈M

(a∘b)∘c=a∘(b∘c)

(0‾∘1‾)∘2‾=0‾∘(1‾∘2‾)

1‾∘2‾=1‾∘2‾

1‾=1‾ w.A.

Distributivgesetze

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Jetzt überprüfen wir, ob die Distributivgesetze gelten:

a⋅(b+c)=a⋅b+a⋅c

0‾⋅(1‾+2‾)=0‾⋅1‾+0‾⋅2‾

0‾⋅0‾=1‾+1‾

1‾=2‾ f.A.

⇒ es ist nicht distributiv, daher kann es kein Ring und in weiterer Folge auch kein Integritätsring oder Körper sein

Abelsche Gruppe
Abelsche Gruppe
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Eine Abelsche Gruppe (G,∘) mit Funktion ∘:G×G→G ist

  • abgeschlossen bzgl. der Operation ∘ in G mit a,b∈G gilt a∘b∈G
  • assoziativ: ∀a,b,c∈G:a∘(b∘c)=(a∘b)∘c
  • besitzt ein neutrales Element e: ∃e∈G:∀a∈G:a∘e=e∘a=a
  • besitzt inverse Elemente a−1 bzw. a′: ∀a∈G:∃a−1∈G:a∘a−1=a−1∘a=e
  • sowie ist in allen Formen kommutativ bzw. abelsch: ∀a,b∈G:a∘b=b∘a
Ring
Ring[Bearbeiten, Wikipedia, 2.68 Definition]

Ein Ring (R,+,⋅) ist eine Menge R mit zwei binären Operationen + und ⋅, sodass

  • (R,+) eine kommutative Gruppe ist,
  • (R,⋅) eine Halbgruppe ist,
  • die Distributivgesetze
a⋅(b+c)=(a⋅b)+(a⋅c) und
(a+b)⋅c=(a⋅c)+(b⋅c)
für alle a,b,c∈R gelten.
Nullteiler

In einem Ring kann das Produkt zweier von 0 verschiedener Elemente trotzdem 0 sein. Z.B. gilt in ℤ6 die Beziehung 2‾⋅3‾=6‾=0‾. Man nennt im Allgemeinen ein Element a≠0 eines Ringes R Nullteiler, wenn es ein b≠0 aus R gibt, so dass a⋅b=0 oder b⋅a=0 ist. Dieses b ist damit natürlich auch ein Nullteiler. Ringe ohne Nullteiler werden gesondert betrachtet.

Integritätsring
Integritätsring[Bearbeiten, Wikipedia, 2.71 Definition]

Kommutativer Ring mit Einselement ohne Nullteiler.

Körper

Ein kommutativer Ring ⟨K,+,⋅⟩ mit Einselement 1≠0, in dem jedes Element a≠0 eine Einheit ist, also ein multiplikatives Inverses besitzt, heißt ein Körper.

--Har203 18:41, 28. Feb. 2026 (CET)

Untersuchen Sie, ob die folgenden Strukturen Ringe, Integritätsringe bzw. Körper sind:

M={0,1} mit der Addition modulo 2 und dem Produkt a⋅b=1‾ für alle a,b∈M.


Z.z.: ⟨M,+⟩ ist eine abelsche Gruppe:

Wir schauen uns zuerst einmal die Operationstafeln (+mod2) an

+0‾1‾0‾0‾1‾1‾1‾0‾


Wir schauen uns jetzt die Operationstafeln (⋅→𝟏‾) an

⋅0‾1‾0‾1‾1‾1‾1‾1‾

Wie aus der Operationstafel der Multiplikation erkennbar ist, gibt es keine Nullteiler.


Für die weiteren Beweise werden wir folgende drei Variablen aus der Menge M verwenden: a,b,c∈M.

Bei ⟨M,+⟩ handelt es sich um eine Gruppe, die zu ⟨ℤ2,+⟩ isomorph ist: ⟨M,+⟩≅⟨≅ℤ2,+⟩. Damit können wir voraussetzen, dass dies eine abelsche, zyklische Gruppe.

  1. Assoziativität: ∀a,b,c∈M gilt:(a+b)+c=a+(b+c). √
  2. Existenz eines neutralen Elementes bezüglich der Addition: Es gibt ein neutrales Element: 0‾∈M mit ∀a∈M gilt:a+0‾=0‾+a=a. √
  3. Für alle Gruppenelemente a existiert ein inverses Element: ∀a∈M gilt:∃(−a)∈M mit:a+(−a)=(−a)+a=0‾. √
  4. Kommutativität: Für alle Elemente a,b∈M gilt:(a+b)=(b+a). √

⟹ Wir haben ⟨M,+⟩ als abelsche Gruppe mit neutralem Element 0‾.

Für einen Ring ⟨M,+,⋅⟩ werden wir folgende drei Eigenschaften prüfen:

  1. ⟨M,+⟩ ist eine kommutative Gruppe mit neutralem Element 0‾. √
  2. ⟨M,⋅⟩ ist eine Halbgruppe, und
  3. es gelten die beiden Distributivgesetze
  • Abgeschlossenheit: Die Operationstafel von (⋅) ist abgeschlossen, da in der Operationstafel nur ein einziges Element 1‾∈M enthalten ist.
  • Assoziativität bezüglich ⋅:
∀a,b,c∈M gilt:(a⋅b)⋅c=a⋅(b⋅c).
Egal wie, das Ergebnis ist immer 1‾. Bezüglich der Operation ⋅ gilt damit das Assoziativgesetz.
  • Kommutativität bezüglich ⋅: ∀a,b∈M gilt:(a⋅b)=(b⋅a).
Da in der Operationstafel nur das Element 1‾ vorkommt, gilt das Kommutativgesetz bezüglich ⋅ natürlich.
  • Für die beiden Distributivgesetze müssen folgende Eigenschaften gelten:
a⋅(b+c)=a⋅b+a⋅c(a+b)⋅c=a⋅c+b⋅c}∀a,b,c∈M.


  • 1.Distributivgesetz: a⋅(b+c)=a⋅b+a⋅c:
Jede Multiplikation liefert das Ergebnis 1‾⟹a⋅(b+c)=1‾=(a⋅b)+(a⋅c)=(1‾)+(1‾)=0‾≠1‾,∀a,b,c∈M.
⟹ Das 1. Distributivgesetz gilt in dieser Struktur nicht.


  • 2. Distributivgesetz: (a+b)⋅c=a⋅c+b⋅c:
Analog zum 1. DG: Jede Multiplikation liefert das Ergebnis 1‾⟹(a+b)⋅c=1‾=(a⋅c)+(b⋅c)=(1‾)+(1‾)=0‾≠1‾,∀a,b,c∈M.
⟹ Das 2. Distributivgesetz gilt in dieser Struktur nicht.


Zusätze

  • Einselement bezüglich ⋅: Es gibt kein Einselement in M bezüglich der Multiplikation.
  • Kommutativität: haben wir schon gezeigt.


⟹ ⟨M,+⟩ ist eine abelsche Gruppe mit neutralem Element 0‾.

⟹ ⟨M,⋅⟩ ist eine kommutative Halbgruppe ohne Einselement. Die beiden Distributivgesetze gelten nicht.


Das Gesamtergebnis ⟹ ⟨M,+,⋅⟩ ist weder ein Ring, noch ein Integritätsring und auch kein Körper. ◼

Wikipedia:

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