Uni Wien:Philosophie der Gegenwart: Phänomenologie und Dialogphilosophie VO (Baier)

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Daten[Bearbeiten]


Ziel (VVZ)[Bearbeiten]

Phänomenologie und Dialogphilosophie sind verwandte Hauptströmungen moderner Philosophie, die bis heute großen Einfluss in Philosophie und Theologie haben. Ziel der Vorlesung ist es in das Denken wichtiger Vertreter dieser Richtungen einzuführen und den Dialog der beiden Denkweisen zu behandeln.


Themen[Bearbeiten]

Prof. Baier wendet sich zunächst der Phänomenologie (Husser, Scheler, Heidegger) zu, um dann zur Dialogphilosophie überzugehen, wo er vor allem die Philosophie Martin Bubers besonders behandelt. Anschließend versucht er, die beiden Strömungen zusammenzudenken.

A. Phänomenologie[Bearbeiten]

  • Einleitung: Zurück zu den Sachen selbst!
  • Edmund Husserl
    • Leben und Werke
    • Der Aufsatz: "Philosophie als strenge Wissenschaft" (1910) als Zugang zu Husserls Phänomenverständnis
    • Kritik am Historismus und Naturalismus


  • Max Scheler
    • Leben und Werke
    • Die Lehre von den drei Tatsachen
      • Schelers Charakterisierung der natürlichen Weltanschauung
      • Die neue Auffassung von Reduktion
    • Scherlers dualistisches Denken


  • Martin Heidegger
    • Leben und Werke
    • Heideggers Anfänge: lebensphilosophisch gewendete Phänomenologie
      • Grundzüge der Lebensphilosophie
      • Vom erlebnis zum Seinsdenken: Entwicklung der Grundbegriffe
      • Husser-Kritik beim jungen Heidegger
    • Reduktion, Konstruktion und Destruktion als Schritte einer phänomenologischen Methode
    • Die Frage nach dem Verhältnis von Wesen (essentia) und Wirklichkeit (existentia)
    • Dasein als In-der-Welt-Sein (Manselbst, eigentliches Selbst, Weltbegriff, Befindlichkeit, Verstehen und Rede)


B. Dialogphilosophie[Bearbeiten]

  • Zur Fragestellung und Vorgeschichte der Dialogphilosophie
  • Martin Buber
    • Leben und Werke
    • Bubers Erlebnismystik
    • Die Abwendung von der Erlebnismystik
    • Grundzüge der Dialogphilosophie von "Ich und Du"
    • Der Begriff des "Zwischen"
    • Zur Rezeption des dialogischen Denkens in der japanischen Philosophie

Warum sollte ein Informatiker diese LV machen?[Bearbeiten]

  • Nunja, nicht jeder Informatiker wird sich für diese VO begeistern können. Hier habe ich aber zumindest 2 Aspekte zusammengefasst, die für den umsichtigen Informatiker doch relevant sein könnten:
  • Was den Informatiker in der Phänomenologie besonders interessieren kann, ist unter anderem Husserls Forderung nach einer "Philosophie als strenger Wissenschaft". Husserl war ursprünglich Mathematiker, der sich erst später philosophischen Problemen zugewendet hat. Philosophie sollte keinen Tiefgang (der Anzeichen von Chaos ist) haben, sondern sollte klar strukturiert und forschungsorientiert sein. Ihre Methode sollte lehr- und lernbar sein, genauso wie man Rechnen oder Programmieren lernt. Doch wo sollte ein Ausgangspunkt zu finden sein, der diese Forderungen erfüllt? Diese Forderung erfüllte für Husserl das Bewusstsein, sodass dieses fortan (und in Anschluss an Descartes) das Fundament jeder Erkenntnis und Betrachtung sein sollte.
  • Vor allem der für Künstliche Intelligenz und Kognitionswissenschaft begeisterte Informatiker sollte nach Meinung von Francisco Varela die europäische Philosophietradition berücksichtigen. Im Anhang habe ich HIER ein Kapitel aus seinem Buch "Kognitionswissenschaft - Kognitionstechnik" abgelegt, wo ihr Argumente für die Beschäftigung mit der Phänomenologie für Kognitionswissenschaftler findet.

Benötigte Vorkenntnisse[Bearbeiten]

  • Wenn man die Vorlesung nicht besucht und versucht, sich das Thema nur durch Bücher anzueignen, sieht man sich konfrontiert mit vielen Fachbegriffen und umständlichen Formulierungen, was heißt: Man sollte schon ein bisschen philosophische Vorbildung mitbringen, um die Bücher wirklich sinnvoll lesen zu können.
  • Wenn man jedoch die Vorlesung besucht, kann man sich dem Thema auch als Informatiker getrost zuwenden, wenn (!) man sich dafür interessiert. Prof. Baier bringt die Problemstellungen wirklich verständlich und gut strukturiert zur Sprache. Konzentriert muss man aber trotzdem sein, wenn man zuhört und mitschreibt.

Zeitaufwand[Bearbeiten]

  • Wer die Prüfung besuchen will, sollte brav mitschreiben und eine Woche (oder 2-3 Tage) vorher versuchen, den Stoff zu verstehen. Die mündliche Prüfung ist mehr als fair (und ist mehr ein Prüfungsgespräch), obwohl er sich schon gewundert hat, dass ein Informatiker seine Vorlesung besucht und dann auch noch die Prüfung machen will.

Vortrag[Bearbeiten]

  • Der Vortrag ist klar und verständlich, da alle missverständlichen Begriffe von verschiedenen Seiten her erklärt und mit Originalzitaten unterlegt werden (weswegen man nach der Vorlesung sogar die Primärliteratur verstehen kann, wenn man sie liest).

Autodidakt[Bearbeiten]

  • Da die VO anfangs mit einer anderen meiner Block-LV's kollidiert hat, hatte ich angefragt, ob die Prüfung auch mit Literatur zu bewältigen ist. Die Bücher, die mir Prof. Baier als Prüfungsstoff gemailt hat, finden sich weiter unten und sind nicht sonderlich leicht zu lesen. * Am Besten man besorgt sich eine Mitschrift bzw. versucht doch, selbst in der Vorlesung dabeizusehen, der Vortrag lohnt sich (und ist nicht reine Click-and-Read-Folienherunterbeterei)

Prüfung[Bearbeiten]

  • Modus: mündlich, 3 Fragen
  • Hilfsmittel: Keine
  • Zeit: max. 10-15 Minuten
  • Benotung: schwer in Ordnung. Vergesst nicht, dass die Theologie nicht das UniVis zur Notenvergabe nutzt. Erwähnt das im Sekretariat, damit die Note im Dekanat ankommt und dann doch im UniViS eingetragen wird.


Literatur[Bearbeiten]

Falls man in der VO nicht dabeisein kann, waren bei mir folgende Bücher prüfungsrelevant:

Phänomenologie:

  • (1) Ausgewählte Originaltexte von Husserl, Heidegger und Scheler, die es im Sekretariat des Instituts für Christliche Philosophie zu kopieren gibt (1 EUR)


  • (2) Elisabeth Ströker, Paul Janzen: Phänomenologische Philosophie, Freiburg/München 1989 ( die Kapitel zu Husserl, Scheler und Heidegger) (IMHO sehr schwierig und fachspezifisch geschrieben)
  • (3) Günter Figal: Martin Heidegger zur Einführung, Hamburg 2007


Dialogphilosophie:


  • (4) Martin Buber: Ich und Du (Primärliteratur)
  • (5) Bernhard Casper: Das Dialogische Denken, München 2002 (nur die Kapitel über Buber)