TU Wien:Mathematik 1 UE (diverse)/Übungen WS06/Beispiel 231

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Untersuchen Sie, ob die Menge M mit der Operation ∘ ein Gruppoid, eine Halbgruppe, ein Monoid bzw. eine Gruppe ist.

M=ℚ∖{1},a∘b=a+b−ab


Theoretische Grundlagen (Zusammenfassung von mnemetz)

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Gesetze und Eigenschaften von algebraischen Strukturen

Eine algebraische Struktur ist eine nichtleere Menge G mit einer oder mehreren Operationen.

Folgende Eigenschaften kann eine solche Struktur annehmen:

  1. Abgeschlossenheit: G×G=G, für a,b∈G→a∘b∈G (d.h. ist eindeutig zugeordnet). Das ∘ entspricht einer Funktion von ∘:G×G→G
  2. Assoziativgesetz: a∘(b∘c)=(a∘b)∘c für alle a,b,c∈G.
  3. Einheitselement: Es existiert ein e∈G, so dass für alle a∈G gilt: a∘e=e∘a=a.
  4. Inverses Element: Für jedes a∈G gibt es ein inverses Element a′∈G (oder auch a−1) so, dass gilt a∘a′=a′∘a=e. Wobei das e das Einheitselement ist.
  5. Kommutativgesetz: a∘b=b∘a für alle a,b∈G.
  Nr.   Gruppoid   Halbgruppe   Monoid   Gruppe   Abelsche Gruppe
  1     X          X            X        X        X
  2                X            X        X        X
  3                             X        X        X
  4                                      X        X
  5                                               X

Lösungsvorschlag von mnemetz

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Abgeschlossenheit

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Für alle Elemente a und b aus der gegebenen Menge M soll bei der vorgeschriebenen Operation gelten, dass das Ergebnis wieder ein Element der gegebenen Menge M ist.

Vorschlag von mnemetz

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Da die gegebene Menge M die Menge ℚ ohne 1 ist, müssen wir untersuchen, ob der Ausdruck a+b−ab überhaupt Eins ergeben kann. Prüfen wir also:

a+b−ab=1
a−ab=1−b
a∗(1−b)=1−b
a=1−b1−b
a=1

(und b = 0)

Analog mit b zu verfahren (b = 1, a = 0).

Schlussfolgerung: Das Ergebnis der Operation a∘b ist nur dann 1, wenn entweder a oder b 1 sind, aber das ist von vornherein ausgeschlossen. Daher ist die Abgeschlossenheit gegeben.


Vorschlag aus dem Informatikforum (editiert von mnemetz)

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Nach: https://web.archive.org/web/*/informatik-forum.at/showthread.php?p=276443

Behauprung: Sei a,b∈ℚ,a≠1,b≠1. Dann ist a+b−ab≠1

Indirekter Beweis: Sei a+b−ab=1.

Aus a+b−ab=1 erhalte ich a−ab=1−b.

Für a≠0 folgt nun: a(1−b)=1−b (für a=0 ist, wegen 0+b−0b=1, b=1 ein Widerspruch zur VS)

(weil b≠1) => a=1−b1−b=1 (Widerspruch)

Daher: Abgeschlossenheit gegeben

Assoziativität

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Damit Assoziativität gegeben ist, muss gelten: a∘(b∘c)=(a∘b)∘c.

Prüfen wir nun:

  • Linke Seite: a∘(b+c−bc)=a+b+c−bc−ab−ac+abc
  • Rechte Seite: (a+b−ab)∘c=a+b−ab+c−ac−bc+abc

Beide Seiten sind gleich: daher ist die Assoziativität gegeben.


Einheitselement

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Für ein Einheitselement e aus M muss gelten: a∘e=e∘a=a

Wir prüfen also:

a∘e=a+e−ae=a

Klar scheint nun, dass das Einheitselement e 0 sein muss. Daher existiert ein Einheitselement e.

Inverses Element

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Bei der Operation a∘a′=a′∘a=e soll das Einheitselement e herauskommen. Prüfen wir also:

Vorschlag von mnemetz (offensichtlich falsch)

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a∘a′=0

a+a′−aa′=0

Es existiert daher ein inverses Element a'.


Einwand von Daniela (dadar) und Christoph (ChristophM), dokumentiert von mnemetz

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Dadar: Meiner Meinung nach (bin mir nicht so sicher) existiert kein inverses Element von a, weil wenn a zB 2 dann gilt 2-2-2*(1/2)=-1. Es funktioniert nur wenn man a=0 setzt???

Wenn jetzt Fehler beim Parsen (Syntaxfehler): {\displaystyle a° \circ a'= 0} sein soll, ann folgt daraus:

a+a′−a′∗a=0

a+a′∗(1−a)=0

a′∗(1−a)=−a

a′=−a1−a

Das ist das inverse Element. Dabei darf a nicht 1 sein, sonst erfolgt die Division durch Null, jedoch ist 1 sowieso ausgeschlossen (M=ℚ∖{1}).


Es existiert für jedes Element a aus M ein invereses Element a' .

(1 ist sowieso ausgenommen, das inverse Element von a=3 wäre a′=32, und es führt zu einem korrekten Ergebnis)

Dass wir zuerst eine Fehlannahme hatten ist darauf zurückzuführen, dass wir zuerst nur die notwendige Ausschließung von 1 betrachtet hatte, und nicht weiter. Danke, ChristophR in f.thread:37787 !

Kommutativität

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Es muss gelten: a∘b=b∘a

  • a∘b=a+b−ab
  • b∘a=b+a−ba

Somit ist die Kommutativität gegeben.

Schlussfolgerung

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Es liegt somit eine Abelsche Gruppe vor.