TU Wien:Analysis 2 UE (diverse)/Übungen SS23/Beispiel 387

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Man finde Lösungen der Potentialgleichung Δu=uxx+uyy=0 auf einer Kreisscheibe. Dazu transformiere man die Gleichung auf Polarkoordinaten und bestimme Lösungen der transformierten Gleichung mittels eines Produktansatzes. (Anfangs- oder Randbedingungen sind nicht zu berücksichtigen.)

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Produktansatz

Beim Produktansatz trachtet man danach ein multiplikative Trennung der Variablen herbeizuführen:

u(x,y)=X(x)⋅Y(y)

Summensatz für Kosinus:

cos⁡(x−y)=cos⁡xcos⁡y+sin⁡xsin⁡y

Lösungsvorschlag

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Das Transformieren auf Polarkoordinaten ergbit

x=rcos⁡φ und y=rsin⁡φ

und somit für die Umkehrfunktionen und Ableitungen:

r=x2+y2

rx=xx2+y2

ry=yx2+y2

rxx=y2(x2+y2)32

ryy=x2(x2+y2)32

φ=arctan⁡yx

φx=−yx2+y2

φy=xx2+y2

φxx=2xy(x2+y2)2

φyy=−2xy(x2+y2)2

U(r,φ)=u(rcos⁡φ,rsin⁡φ)=u(x,y) führt zur Nebenbedingung U(r0,φ)=f(φ) mit einer 2π-periodischen Funktion f(φ). Umrechnen der Potentialgleichung in Polarkoordinaten führt durch mehrfache Anwenden der Kettenregel

ux=rxUr+φxUφ

uy=ryUr+φyUφ

uxx=rx2Urr+rxφxUrφ+φxrxUrφ+φx2Uφφ+rxxUr+φxxUφ=rx2Urr+2rxφxUrφ+φx2Uφφ+rxxUr+φxxUφ

uyy=ry2Urr+ryφyUrφ+φyryUrφ+φy2Uφφ+ryyUr+φyyUφ=ry2Urr+2ryφyUrφ+φy2Uφφ+ryyUr+φyyUφ

0=uxx+uyy=(rx2+ry2)Urr+2(φxrx+φyry)Urφ+(φx2+φy2)Uφφ+(rxx+ryy)Ur+(φxx+φyy)Uφ=Urr+1rUr+1r2Uφφ

Diese letzte Gleichung kann mensch über den Produktansatz

U(r,φ)=F(r)⋅G(φ)

lösen was eingesetzt

F″(r)G(φ)+1r2F(r)G″(φ)+1rF′(r)G(φ)=0

ergibt und nach Division durch F(r)G(φ) und Trennung der Variable zu folgendem führt:

r2F″(r)F(r)+rF′(r)F(r)=−G″(φ=G(φ)=λ

Da r und φ jeweils nur auf einer Seite der Gleichung vorkommen, ergeben sich folgende, nur mit einer Konstanten λ gekoppelte, Differenzialgleichungen:

G″(φ)+λG(φ)=0 und r2F″(r)+rF′(r)−λF(r)=0

Die Lösung für G(φ) ergibt

G(φ)=Acos⁡(λφ)+Bsin⁡(λφ)

was unter Berücksichung der Bedingung das die Funktion 2π periodisch sein muss, mit λ=n2 zu folgendem führt:

Gn(φ)=Ancos⁡(nφ)+Bnsin⁡(nφ)

F(r) kann mit dem Ansatz F(r)=rα behandelt werden

r2F″(r)+rF′(r)−λF(r)=0r2α(α−1)rα−2+rαrα−1−λrα=0α(α−1)rα+αrα−λrα=0α(α−1)+α−λ=0α2−α+α=λα2=λ=n2α=n

und führt zu

F(r)=rn

Somit bekommt mensch nun die Lösungen

Un(r,φ)=F(r)⋅G(φ)=rn(Ancos⁡(nφ)+Bnsin⁡(nφ))

und durch Superposition

U(r,φ)=A0+∑n=1∞rn(Ancos⁡(nφ)+Bnsin⁡(nφ))

was noch U(r0,φ)=f(φ) erfüllen muss. Unter Betrachtung der Fourier-Reihen-Entwicklung f(φ)=a02+∑n=1∞(ancos⁡(nφ)+bnsin⁡(nφ)) kann mensch einen Koeffezientenverleich anstellen und bekommt

A0=a02, An=anr0n und Bn=bnr0n

und weiter

U(r,φ)=a02+∑n=1∞(ancos⁡(nφ)+bnsin⁡(nφ))(rr0)n=12π∫02πf(t)dt+∑n=1∞(1π∫02πf(t)cos⁡(nt)dtcos⁡(nφ)+1π∫02πf(t)sin⁡(nt)dtsin⁡(nφ))=12π∫02πf(t)(1+2∑n=1∞(cos⁡(nt)cos⁡(nφ)+sin⁡(nt)sin⁡(nφ))(rr0)ndt=12π∫02πf(t)(1+2∑n=1∞cos⁡(n(t−φ)))(rr0)ndt

Die auftretende Summe kann noch wie folgt vereinfacht werden

1+2∑n=1∞cos⁡(n(t−φ))(rr0)n=ℜ(1+2∑n=1∞(rr0ei(t−φ))n)=ℜ(1+2rr0ei(t−φ)1−rr0ei(t−φ))=ℜ(1+2rei(t−φ)r0−rei(t−φ))=ℜ(r0+rei(t−φ)r0−rei(t−φ))=ℜ(r0+rcos⁡(t−φ)+irsin⁡(t−φ)r0−rcos⁡(t−φ)−irsin⁡(t−φ))=ℜ(r02−r2+2ir0rsin⁡(t−φ)r02−2r0rcos⁡(t−φ)+r2)=r02−r2r02−2r0rcos⁡(t−φ)+r2

was dann gesamt zu folgender Lösung führt:

U(r,φ)=12π∫02πf(t)r02−r2r02−2r0rcos⁡(t−φ)+r2dt