TU Wien:Algebra und Diskrete Mathematik VU (diverse)/Übungen 2025W/Beispiel 507

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Sei V={∑i=0nai⋅xi|ai∈ℝ,n∈ℕ} der Vektorraum aller Polynome mit reellen Koeffizienten.

Untersuchen Sie, ob 1−x+x3,3−x2+x3 und −5+3x+x2−4x3 linear unabhängig sind

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lineare Unabhängigkeit

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Lineare Abhängigkeit

Eine Menge M an Vektoren {x1→,x2→,…,xn→} heißt linear abhängig, wenn gilt:

∃l→=(λ1,λ2,…,λn)≠0n→,λi∈𝕂 mit λ1⋅x1→+λ2⋅x2→+…+λn⋅xn→=0→.

Es existiert eine Linearkombination aus der Menge M, die den Nullvektor 0n→ ergibt, wobei nicht alle λi=0 sind - eine oder mehrere sogenannte nicht triviale Lösungen existieren. Eine Menge von Vektoren ist linear unabhängig, wenn es keinen Vektor v in der Menge M gibt, der durch Linearkombinationen der anderen Vektoren der Menge dargestellt werden kann.
Mathematisch ausgedrückt:

Um zu zeigen, dass die Vektoren unabhängig sind, muss man beweisen, dass die Linearkombination

λ1⋅v→1+λ2⋅v→2+⋯+λn⋅v→n=0→

trivial ist, d.h. dass λ1=λ2=⋯=λn=0

Lösungsvorschlag

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λ1⋅v→1+λ2⋅v→2+λ3⋅v→3=0→
λ1⋅(1−x+x3)+λ2⋅(3−x2+x3)+λ3⋅(−5+3x+x2−4x3)=0⋅x3+0⋅x2+0⋅x1+0⋅x0
ausmultipliziert und zusammengefasst ergibt das:
x3⋅(λ1+λ2−4⋅λ3)+x2⋅(−λ2+λ3)+x1⋅(−λ1+3λ3)+x0⋅(λ1+3λ3−5λ3)=0⋅x3+0⋅x2+0⋅x1+0⋅x0
aus dieser Gleichung folgt:
λ1+λ2−4⋅λ3=0
−λ2+λ3=0
−λ1+3⋅λ3=0
λ1+3λ2−5⋅λ3=0
aus diesen Gleichungen kann man leicht errechnen, dass

λ1=λ2=λ3=0

ist, woraus folgt, dass die Vektoren linear unabhängig sind

S ei (V,+,K) ein Vektorraum und U eine nicht leere Teilmenge von V. Bildet (U,+,K) wieder einen Vektorraum, dann heißt U Unterraum oder Teilraum von V.

Als vereinfachte Schreibweise verwendet man U≤V für die Eigenschaft, dass U Unterraum von V ist. Man beachte, dass der ganze Raum V und die Menge {𝟎→}, die nur aus dem Nullvektor besteht, immer Unterräume von V sind:

V≤V und {𝟎→}≤V

Sei ⟨U,+,K⟩ ein Vektorraum, U⊆V heißt Unterraum oder Teilraum, wenn:

U≠∅x→,y→∈U⟹x→+y→∈U(U ist abgeschlossen bezüglich U+U)x→∈U,λ∈K⟹λ⋅x→∈U(U ist abgeschlossen bezüglich U⋅K)

Zum Prüfen, ob eine nicht leere Teilmenge U von V einen Unterraum bildet, muss man nur untersuchen, ob zu je zwei Vektoren x→,y→∈U und λ∈K auch x→+y→∈U und λ⋅x→∈U sind.


Eine Menge M={v1→,v2→,…,vn→} von Elementen eines Vektorraums V ist genau dann linear unabhängig, wenn nur die triviale Linearkombination den Nullvektor darstellt:

λ1⋅v1→+λ2⋅v2→+…+λn⋅vn→=𝟎→⟹λ1=λ2=…=λn=𝟎.

M ist genau dann linear abhängig, wenn es eine nicht triviale Linearkombination gibt, die den Nullvektor darstellt:

∃(λ1,λ2,…,λn)≠(0,0,…,0)=𝟎→ mit λ1⋅v1→+λ2⋅v2→+…+λn⋅vn→=𝟎→

Sei V={∑i=0nai⋅xi|ai∈ℝ,n∈ℕ} der Vektorraum aller Polynome mit reellen Koeffizienten.

Untersuchen Sie, ob 1−x+x3,3−x2+x3 und −5+3x+x2−4x3 linear unabhängig sind.

Zu prüfen ist, ob aus

 λ1⋅v1→+λ2⋅v2→+…+λn⋅vn→=0 folgt λ1=λ2=…=λn=𝟎.
λ1⋅(1−x+x3)+λ2⋅(3−x2+x3)+λ3⋅(−5+3x+x2−4⋅x3)=0
λ1−λ1⋅x+λ1⋅x3+3⋅λ2−λ2⋅x2+λ2⋅x3+(−5)⋅λ3+3⋅λ3⋅x+λ3⋅x2−4⋅λ3⋅x3
λ1+3⋅λ2−5⋅λ3+(−λ1+3⋅λ3)⋅x+(−λ2+λ3)⋅x2+(λ1+λ2−4⋅λ3)⋅x3

Ein Polynom wird genau dann 0, wenn alle Koeffizienten jeden Grades des Polynoms ebenfalls 0 sind. D.h. wir müssen alle vier Gleichungen auf den Wert 0 überprüfen

λ1+3⋅λ2−5⋅λ3=0∧−λ1+3⋅λ3=0∧−λ2+λ3=0∧λ1+λ2−4⋅λ3=0
λ1+3⋅λ2−5⋅λ3=0(2)⟹3⋅λ3+3⋅λ3−5⋅λ3=0(3)⟹λ3=0−λ1+3⋅λ3=0(1)⟹λ1=3⋅λ3(4)⟹λ1=0−λ2+λ3=0(1)⟹λ2=λ3(4)⟹λ2=0λ1+λ2−4⋅λ3=0(2)⟹3⋅λ3+λ3−4⋅λ3=0(4)⟹0=0

D.h. alle λi sind 0: λ1=λ2=λ3=0

Die drei Gleichungen sind genau dann linear unabhängig, wenn nur die triviale Linearkombination den Nullvektor erzeugen.


⟹ Die drei Polynome  1−x+x3, 3−x2+x3 und −5+3x+x2−4x3 sind linear unabhängig

Sei V={f∣f:ℝ→ℝ} der Vektorraum aller reellwertigen Funktionen.

Untersuchen Sie, ob f(x)=1−1⋅x+1⋅x3,g(x)=3−1⋅x2+1⋅x3 und h(x)=−5+3⋅x+1⋅x2−4⋅x3 linear unabhängig sind.


Für eine lineare Unabhängigkeit der drei vorgegebenen Polynome (ℝ3[x]) darf die folgende Gleichung nur die triviale Lösung (λ1=λ2=λ3=0) haben:

λ1⋅f(x)+λ2⋅g(x)+λ3⋅h(x)=0,λ1,λ2,λ3∈ℝ,∀x∈ℝ⟹λ1⋅(1⋅x0−1⋅x1+0⋅x2+1⋅x3)+λ2⋅(3⋅x0+0⋅x1−3⋅x2+1⋅x3)+λ3⋅(−5⋅x0+3⋅x1+1⋅x2−4⋅x3)=0≡ Nullpolynom.
  • Anmerkung: Ein Polynom ist genau dann 0 (Nullpolynom), wenn für alle Koeffizienten ai von ∑i=0n|∞ai⋅xi gilt ai=0,∀i=0,…,n bzw. i=0,…,∞.
  • Nur zum Bezugnehmen auf Werte: Die Koordinaten der Vektoren f→ seien fi∈ℝ, jene von g→ seien gi∈ℝ und jene von h→ seien hi∈ℝ, jeweils für i∈{1,2,3}.


Wir erhalten die obere Gleichung für λi, je ein λi für eine vorgegebene Funktion mit den Koeffizienten fi,gi,hi. Für das Lösen der Polynom-Gleichung gilt, dass das Nullpolynom genau dann erreicht wird, wenn alle Koeffizienten ai=0 aller Grade von x0,…,xn bzw. x0,…,∞ sind. D.h. wir ordnen die Gleichung nach den Graden von xi um, erstellen eine separate Gleichung für jede vorhandene Potenz von xi. Jede dieser Gleichungen muss nun separat den Wert 0 annehmen:

λ1⋅(1)+λ2⋅(3)+λ3⋅(−5)=0 Gleichung für a0⋅x0.λ1⋅(−1)+λ2⋅(0)+λ3⋅(3)=0 Gleichung für a1⋅x1.λ1⋅(0)+λ2⋅(−1)+λ3⋅(1)=0 Gleichung für a2⋅x2.λ1⋅(1)+λ2⋅(1)+λ3⋅(−4)=0 Gleichung für a3⋅x3.

Wir stellen das Gleichungssystem mit den drei Gleichungen mit den drei Unbekannten (λi,i∈{1,2,3}) auf. Dabei übernehmen wir die Werte aus den Gleichungen von oben:

A=(13−5−1030−1111−4)⋅(λ1λ2λ3)=0V→

Lineares Gleichungssystem

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Wir lösen das Gleichungssystem mit dem gauß'schem Eliminationsverfahren, sodass wir den Rang der Matrix A ablesen können. Dafür benötigen wir keine erweiterte Matrix A:

A=(13−5−1030−1111−4)+3⋅Z3⋅(−1)+Z2→(10−210−30−1101−1)−Z1+Z3→⋯→(100001010000)


Der Rang der Matrix A ist drei. Das heißt, dass drei Funktionen linear unabhängig sind, also alle drei vorgegebenen.

⟹ Das heißt, dass alle drei Funktionen linear unabhängig sind. ◼

Wikipedia:

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