TU Wien:Algebra und Diskrete Mathematik VU (diverse)/Übungen 2025W/Beispiel 486

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Die Menge aller Polynome a0+a1⋅x+a2⋅x2+a3⋅x3+a4⋅x4 vom Grad kleiner gleich 4 mit Koeffizienten ai aus ℚ bildet mit der üblichen Addition und dem üblichen Produkt mit einem Skalar einen Vektorraum über ℚ (Bezeichnung:ℚ[X]≤4).

Bestimmen Sie den kleinsten Teilraum des Vektorraumes der die Polynome x−x2 und x+x3 enthält.

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Vektorraum
Vektorraum[Bearbeiten, Wikipedia, 3.02 Definition]

Sei (V,+) eine abelsche Gruppe und K ein Körper. (V,+,K) heißt Vektorraum, wenn ∀x→,y→∈V,∀λ,μ∈K folgendes gilt:

  1. λ⋅(x→+y→)=λx→+λy→
  2. (λ+μ)⋅x→=λx→+μx
  3. (λ⋅μ)⋅x→=λ⋅(μx→)
  4. 1⋅x→=x→
Untervektorraum
Untervektorraum[Bearbeiten, Wikipedia, 3.05 Definition]

Sei ⟨U,+,K⟩ ein Vektorraum, U⊆V heißt Unterraum oder Teilraum, wenn:

  • U≠∅
  • x→,y→∈U⟹x→+y→∈U(U ist abgeschlossen bezüglich U+U)
  • x→∈U,λ∈K⟹λx→∈U(U ist abgeschlossen bezüglich U⋅K)
Lineare Unabhängigkeit Vektor

Ist V ein Vektorraum über einem Körper K, so heißen die Vektoren v→1,v→2,...,v→n aus V linear unabhängig, wenn die einzig mögliche Darstellung des Nullvektors als Linearkombination

a1v→1+a2v→2+⋯+anv→n=0→

mit Koeffizienten a1,a2,…,an aus dem Grundkörper K diejenige ist, bei der alle Koeffizienten ai gleich null sind („triviale Linearkombination des Nullvektors“). Formal liest sich diese Bedingung wie folgt:

a1v→1+a2v→2+⋯+anv→n=0→⟹a1=a2=…=an=0.

Lässt sich dagegen der Nullvektor auch nichttrivial (mit Koeffizienten ungleich null) erzeugen, dann sind die Vektoren linear abhängig. Ist I eine beliebige Indexmenge, so heißt eine Familie (v→i)i∈I von Vektoren aus V linear unabhängig, falls jede endliche Teilfamilie linear unabhängig ist. Die Familie (v→i)i∈I ist also genau dann linear abhängig, wenn es eine endliche Teilmenge J⊆I gibt, sowie Koeffizienten (aj)j∈J, von denen mindestens einer ungleich null ist, so dass

∑j∈Jajv→j=0→.

[1] Hauptartikel [Lineare Unabhängigkeit (Definition)]

Lineare Hülle

Die lineare Hülle [M] einer Menge M (eine Menge von Vektoren) ist die Menge der Vektoren, die durch Linearkombinationen der Vektoren aus M gebildet werden können.

v∉[M∖{v}]∀v∈M

Lösungsvorschlag von Har203

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--Har203 02:02, 22. Feb. 2026 (CET)

Die Menge aller Polynome a0+a1⋅x+a2⋅x2+a3⋅x3+a4⋅x4 vom Grad kleiner gleich 4 mit Koeffizienten ai aus ℚ bildet mit der üblichen Addition und dem üblichen Produkt mit einem Skalar einen Vektorraum ⟨V,+,⋅⟩ über ℚ.

Bestimmen Sie den kleinsten Teilraum des Vektorraumes der die Polynome x−x2 und x+x3 enthält.

Abgeschlossenheit von U

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  • Anmerkung: Die Addition und Multiplikation ist in ℚ abgeschlossen.

Da wir die lineare Hülle der beiden Vektoren bilden, wird bereits aus der Definition heraus ein abgeschlossener Unterraum der gegebenen Vektoren gebildet. Das heißt, x→,y→∈U⟹x+y→∈U und ∀λ∈ℚ:x→∈U⟹λ⋅x→∈U.

Polynome als Vektoren

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Wir verwenden als Basis die Standardbasis für Polynome: B={1,x,x2,x3,x4}, also einen Raum mit der Dimension dim⁡(𝐕)=𝟓.

p1(x)=x−x2⟹b1→=(0,1,−1,0,0)p2(x)=x+x3⟹b2→=(0,1,0,1,0)


Zu zeigen ist, welcher minimale Teilraum aus diesen beiden gegebenen Vektoren gebildet werden kann. Das ist die lineare Hülle dieser Vektoren U=span⁡(b1→,b2→). Die lineare Hülle (Spann) einer Menge von Vektoren S={x1,…,xn} ist definiert als span⁡(S)={∑i=1nλi⋅xi|λi∈ℚ}.


Wir überprüfen, welche Linearkombinationen aus diesen beiden Vektoren gebildet werden können:

λ1⋅b1→+λ2⋅b2→,λi∈ℚ,i∈{1,2}.


λ1⋅0+λ2⋅0=0λ1⋅1+λ2⋅1=λ1+λ2λ1⋅(−1)+λ2⋅0=−λ1λ1⋅0+λ2⋅1=λ2λ1⋅0+λ2⋅0=0

Lineare Unabhängigkeit

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Es ist zwar nicht explizit verlangt, aber wir führen die Überprüfung trotzdem durch, ob diese beiden Vektoren linear unabhängig sind.

A=(0011−100100)→Z4Z2+Z3→Z1Z3+Z2−Z4→Z3→Z2→(1001000000)

Da der Spaltenrang rk⁡(A)=2 ist, sind die beiden vorgegebenen Vektoren linear unabhängig ⟹ Die beiden Polynome sind ebenfalls linear unabhängig.

Wir haben einen Vektorraum der Dimension dim⁡(V)=5 und einen Unterraum der Dimension dim⁡(U)=2. Daher hat U die Kodimension codimV(U)=dim⁡(V)−dim⁡(U)=3. Daher lässt sich U als Lösungsraum eines homogenen linearen Gleichungssystems mit drei linear unabhängigen Gleichungen darstellen.


Für diese Normalenvektorengleichung müssen wir die nachstehende Gleichung AT⋅ν→=0V→,ni∈ℚ,i∈{0,1,2,3,4} lösen. Das ist nichts anderes als der Kern ker⁡(AT) der transponierten Matrix von A:

A=(0011−100100)↦AT=(01−10001010)→AT⋅(n0n1n2n3n4)=0V→.


Aus dem Gleichungssystem lesen wir die beiden Gleichungen (Zeilen) aus:

Lösen des Gleichungssystems für die Normalenvektoren:

GL1:0⋅n0+n1−n2+0⋅n3+0⋅n4=n1−n2=0GL2:0⋅n0+n1+0⋅n2+n3+0⋅n4=n1+n3=0

Aus den Gleichungen folgt:

GL4:GL1+GL2:⟹n2=n1∧n3=−n1

D.h. unsere Normalenvektoren haben grundsätzlich folgende Gestalt:ni∈ℚ,i∈{0,…,4}:

ν→=(n0,n1,n1,−n1,n4)


Da wir drei linear unabhängige Vektoren als Normalenvektoren (ν1,ν2,ν3) benötigen, setzen wir (frei) für ν1:n0=1,n1=0,n4=0, für den zweiten Normalenvektor für ν2:n0=0,n1=1,n4=0 ein und für den dritten ν3:n0=0,n1=0,n4=1 und erhalten die Normalenvektor:

  • Normalenvektoren:𝝂𝟏→=(𝟏,𝟎,𝟎,𝟎,𝟎)𝝂𝟐→=(𝟎,𝟏,𝟏,−𝟏,𝟎)𝝂𝟑→=(𝟎,𝟎,𝟎,𝟎,𝟏)

In der Angabe haben wir die Menge aller Polynome a0+a1⋅x+a2⋅x2+a3⋅x3+a4⋅x4 vom Grad ≤4 mit Koeffizienten ai aus ℚ, also kurz ℚ[X]≤4 gegeben.

Aus den beiden linearen Gleichung der Normalenvektoren können wir die Gleichung für den Unterraum U ableiten:

ν1→=(1,0,0,0,0)⟹𝐚𝟎=𝟎ν2→=(0,1,1,−1,0)⟹𝐚𝟏+𝐚𝟐−𝐚𝟑=𝟎ν3→=(0,0,0,0,1)⟹𝐚𝟒=𝟎
  • Der Vektorraum U, also die lineare Hülle aus den beiden gegebenen Polynomen (≡ Vektoren), umfasst damit:
U={0⋅a0+a1⋅x+a2⋅x2+a3⋅x3+0⋅x4| mit a0,a1,a2∈ℚ∧a1+a2−a3=0,a0=a4=0.

D.h. jene Polynome, bei denen die lineare, die quadratische und die kubischen Komponenten in Zusammenhang stehen und deren erste und vierte Potenz verschwindet.

Linearkombinationen

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Wir stellen nun alle möglichen Linearkombinationen auf, welche aus diesen beiden Vektoren gebildet werden können. Der aufgespannte, dass bedeutet bereits minimale, Raum dieser beiden Polynome im gegebenen Polynom-Vektorraum ist bei beliebig ausgewähltem λ1,λ2,λ3∈ℚ gegeben durch die Beziehung. Das ist die lineare Hülle dieser beiden Vektoren:

(0λ1+λ2−λ1++λ20)


Diese Linearkombination erzeugt alle möglichen Vektoren, die aus den beiden vorgegebenen Vektoren gebildet werden können, also die lineare Hülle.


Da die Matrix A nur zwei linear unabhängige Vektoren umfasst, erhalten wir als Unterraum einen Raum der Dimension dim⁡(𝐔)=𝟐, obwohl dim⁡(V)=5.

Durch die Normalenform-Bestimmung können wir nun den Spann etwas genauer angeben:

𝐔={𝟎⋅𝐚𝟎+𝐚𝟏⋅𝐱+𝐚𝟐⋅𝐱𝟐+𝐚𝟑⋅𝐱𝟑+𝟎⋅𝐱𝟒| mit 𝐚𝟎,𝐚𝟏,𝐚𝟐∈ℚ∧𝐚𝟏+𝐚𝟐−𝐚𝟑=𝟎∧𝐚𝟎=𝐚𝟒=𝟎}.

Unterraum in Polynomdarstellung

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Aus der Normalenvektor-Gleichung haben wir die folgenden Gleichungen erhalten: a_1+a_2-a_3=0, a_0=0, a_4=0

a1+a2−a3=0∧a0=a4=0,ai∈ℚ

Wir lösen nach a0 auf und setzen in die allgemeine Gleichung p(x)=∑i=04ai⋅xi ein und heben die ai heraus:

a1=(−a2+a3)⟹p0(x)=0+(−a2+a3)⋅x+a2⋅x2+a3⋅x3+0⋅x4⟹(−a2)⋅x+a3⋅x+a2⋅x2+a3⋅x3=a2⋅(x2−x)+a3⋅(x+x3)⟹⟹p0(x)=a2⋅(x2−x)+a3⋅(x+x3)

Polynomdarstellung des Teilraumes U mittels p0(x):

𝐩𝟎(𝐱)=𝐚𝟐⋅(𝐱𝟐−𝐱)+𝐚𝟑⋅(𝐱+𝐱𝟑). ◼

Wikipedia:

Ähnliche Beispiele: