TU Wien:Algebra und Diskrete Mathematik VU (diverse)/Übungen 2025W/Beispiel 513

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Sei V={f∣f:ℝ→ℝ} der Vektorraum aller reellwertigen Funktionen.

Untersuchen Sie, ob f,g und h mit f(x)=e−x,g(x)=ex und h(x)=x⋅ex linear unabhängig sind.

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Lineare Abhängigkeit

Eine Menge M an Vektoren {x1→,x2→,…,xn→} heißt linear abhängig, wenn gilt:

∃l→=(λ1,λ2,…,λn)≠0n→,λi∈𝕂 mit λ1⋅x1→+λ2⋅x2→+…+λn⋅xn→=0→.

Es existiert eine Linearkombination aus der Menge M, die den Nullvektor 0n→ ergibt, wobei nicht alle λi=0 sind - eine oder mehrere sogenannte nicht triviale Lösungen existieren.

Lineare Abhängigkeit Funktion

Sei V der Vektorraum aller Funktionen f:ℝ→ℝ. Die beiden Funktionen et und e2t in V sind linear unabhängig.

[1] Ekzerpt aus dem Originalartikel Lineare Unabhängigkeit: Funktionen als Vektoren

Lösungsvorschlag von Har203

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Sei V={f∣f:ℝ→ℝ} der Vektorraum aller reellwertigen Funktionen.

Untersuchen Sie, ob f,g und h mit f(x)=e−x,g(x)=ex und h(x)=x⋅ex linear unabhängig sind.


Für eine lineare Unabhängigkeit der drei vorgegebenen reellwertigen Funktionen darf die folgende Gleichung nur die triviale Lösung (λ1=λ2=λ3=0) haben:

λ1⋅f(x)+λ2⋅g(x)+λ3⋅h(x)=0,λ1,λ2,λ3∈ℝ,∀x∈ℝ⟹λ1⋅e−x+λ2⋅ex+λ3⋅x⋅ex=0.


Bevor wir beginnen spezielle Werte in die Gleichung einzusetzen, schauen wir uns noch die allgemeine Gleichung an:

  • Zuerst werden wir die Gleichung umformen:
λ1⋅e−x+λ2⋅ex+λ3⋅x⋅ex=0⟹λ2⋅ex+λ3⋅x⋅ex=−λ1⋅e−x=−λ1ex⟹⟹λ2+λ3⋅x=−λ1e2⋅x⟹λ2=−λ1e2⋅x−λ3⋅x⟹λ2λ3=(−λ1λ3)⋅e−2⋅x−x
  • Anmerkung: Nenner λ3=0:
λ1⋅e−x+λ2⋅ex+0⋅x⋅ex=0⟹λ1⋅e−x=−λ2⋅ex⟹λ1=(−λ2)⋅e2⋅x⟹(−λ1λ2)=e2⋅x⟹ neue Konstante c1=−λ1λ2∈ℝ⟹c1=e2⋅x, mit c1∈ℝ
Anmerkung: Dass c1=e2⋅x für eine Konstante c1∈ℝ keine Lösung hat, ist eigentlich klar. Nur wir müssen es auch beweisen.
Anmerkung: Für λ2=0 erhalten wir λ1⋅e−x=0, also nur die triviale Lösung λ1=0, da ∀x∈ℝ gilt:e−x>0,.
Für λ2≠0 ist die Gleichung gültig und, da die Gleichung für alle x∈ℝ gelten muss, setzen wir für x=0 und x=1 ein:
∗ x=0:c1=e2⋅0=1⟹c1=1∧∗ x=1:c1=e2⟹e2≠1⟹Widerspruch:, da die Gleichung für alle x∈ℝ gelten muss.
⟹ Dass bei λ3=0⟹λ2=λ1=0 nur die triviale Lösung möglich ist.
  • Wir fahren jetzt mit unserer oben begonnenen Umformung der allgemeinen Gleichung fort. Wir ersetzen im ersten Schritt wieder die kombinierten Konstanten zu einer resultierenden
c2=λ2λ3,c3=−λ1λ3, mit c2,c3∈ℝ und schreiben die allgemeine Gleichung um:
λ2λ3=(−λ1λ3)⋅e−2⋅x−x⟹c2+x=c3⋅e−2⋅x
  • Am Einfachsten wird es sein, in die Gleichung x-Werte einzusetzen und dann einen Widerspruch zu erhalten, sodass nur die triviale Lösung als Ergebnis resultiert.
Anmerkung: Wir dürfen nicht übersehen, dass c2 direkt von λ2 und c3 direkt von λ1 abhängt. Es könnten dadurch Lösungen übersehen werden bzw. hinzukommen. Hier führt c2=c3=0 zu keiner Lösung.
(x=0):c2+x=c3⋅e−2⋅x⟹c2+0=c3⋅e0⟹c2=c3(x=1):c2+x=c3⋅e−2⋅x⟹c2+1=c3⋅e−2⟹c2=c3⋅e2−1⟹c2: c3⋅e2−1≠c3Widerspruch◼.
⟹ Daraus folgt, dass nur die triviale Lösung existiert.
  • Wir können aber einen Schritt weitergehen und die beiden Ausdrücke auf der linken und rechten Seite der Gleichung weiter analysieren:
Sei p(x)=x und q(x)=c3⋅e−2⋅x−c2. Das heißt, dass beide Funktionen p(x)=q(x),∀x∈ℝ gelten muss, also beide Funktionen gleich sein müssen. Das heißt weiters natürlich, da beide Funktionen in p(x)=q(x),∀x∈ℝ gleich sind, dass auch deren Ableitungen von p′(x)=q′(x),∀x∈ℝ gleich sein müssen. Es gilt dann
p(x)=x⟹p′(x)=1,∀x∈ℝ.
Für q(x) bilden wir ebenfalls die Ableitung:
q(x)=c3⋅e−2⋅x−c2⟹q′(x)=(−2)⋅c3⋅e−2⋅x
Wenn wir p′(x)=1,∀x∈ℝ und q′(x) vergleichen, dann muss q′(x)=1,∀x∈ℝ sein. Das werden wir jetzt widerlegen, indem wir für x=0 und x=1 einsetzen:
(x=0):q′(x)=(−2)⋅c3⋅e−2⋅x=(−2)⋅c3⋅e0=(−2)⋅c3⋅1⟹p′(0)=1:c3=−12(x=1):q′(x)=(−2)⋅c3⋅e−2⋅x=(−2)⋅c3⋅e−2=(−2)⋅c31e2⟹p′(1)=1:c3=−e22⟹−12≠−e22Widerspruch◼
  • Daraus folgt, dass nur die triviale Lösung existiert mit
λ1=λ2=λ3=0

⟹ D.h. die drei Funktionen sind linear unabhängig.

Wikipedia:

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