TU Wien:Algebra und Diskrete Mathematik VU (diverse)/Übungen 2025W/Beispiel 488

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Die Menge aller Polynome a0+a1⋅x+a2⋅x2+a3⋅x3+a4⋅x4 vom Grad kleiner gleich 4 mit Koeffizienten ai aus ℚ bildet mit der üblichen Addition und dem üblichen Produkt mit einem Skalar einen Vektorraum über Q.

Bestimmen Sie den kleinsten Teilraum des Vektorraumes, der die Polynome 1+x−x2,−1+5⋅x−4⋅x2 und 4−2⋅x+x2 enthālt.

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Vektorraum
Vektorraum[Bearbeiten, Wikipedia, 3.02 Definition]

Sei (V,+) eine abelsche Gruppe und K ein Körper. (V,+,K) heißt Vektorraum, wenn ∀x→,y→∈V,∀λ,μ∈K folgendes gilt:

  1. λ⋅(x→+y→)=λx→+λy→
  2. (λ+μ)⋅x→=λx→+μx
  3. (λ⋅μ)⋅x→=λ⋅(μx→)
  4. 1⋅x→=x→
Untervektorraum
Untervektorraum[Bearbeiten, Wikipedia, 3.05 Definition]

Sei ⟨U,+,K⟩ ein Vektorraum, U⊆V heißt Unterraum oder Teilraum, wenn:

  • U≠∅
  • x→,y→∈U⟹x→+y→∈U(U ist abgeschlossen bezüglich U+U)
  • x→∈U,λ∈K⟹λx→∈U(U ist abgeschlossen bezüglich U⋅K)
Lineare Unabhängigkeit Vektor

Ist V ein Vektorraum über einem Körper K, so heißen die Vektoren v→1,v→2,...,v→n aus V linear unabhängig, wenn die einzig mögliche Darstellung des Nullvektors als Linearkombination

a1v→1+a2v→2+⋯+anv→n=0→

mit Koeffizienten a1,a2,…,an aus dem Grundkörper K diejenige ist, bei der alle Koeffizienten ai gleich null sind („triviale Linearkombination des Nullvektors“). Formal liest sich diese Bedingung wie folgt:

a1v→1+a2v→2+⋯+anv→n=0→⟹a1=a2=…=an=0.

Lässt sich dagegen der Nullvektor auch nichttrivial (mit Koeffizienten ungleich null) erzeugen, dann sind die Vektoren linear abhängig. Ist I eine beliebige Indexmenge, so heißt eine Familie (v→i)i∈I von Vektoren aus V linear unabhängig, falls jede endliche Teilfamilie linear unabhängig ist. Die Familie (v→i)i∈I ist also genau dann linear abhängig, wenn es eine endliche Teilmenge J⊆I gibt, sowie Koeffizienten (aj)j∈J, von denen mindestens einer ungleich null ist, so dass

∑j∈Jajv→j=0→.

[1] Hauptartikel [Lineare Unabhängigkeit (Definition)]

Lineare Hülle

Die lineare Hülle [M] einer Menge M (eine Menge von Vektoren) ist die Menge der Vektoren, die durch Linearkombinationen der Vektoren aus M gebildet werden können.

v∉[M∖{v}]∀v∈M

Lösungsvorschlag von Har203

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--Har203 00:45, 15. Feb. 2026 (CET)

Die Menge aller Polynome a0+a1⋅x+a2⋅x2+a3⋅x3+a4⋅x4 vom Grad kleiner gleich 4 mit Koeffizienten ai aus ℚ bildet mit der üblichen Addition und dem üblichen Produkt mit einem Skalar einen Vektorraum ⟨V,+,⋅,ℚ⟩ über ℚ.

Bestimmen Sie den kleinsten Teilraum des Vektorraumes, der die Polynome 1+x−x2,−1+5⋅x−4⋅x2 und 4−2⋅x+x2 enthālt.

Abgeschlossenheit von U

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• Anmerkung: Die Addition und Multiplikation ist in ℚ abgeschlossen.

Da wir die lineare Hülle der drei Vektoren bilden, wird bereits aus der Definition heraus ein abgeschlossener Unterraum der gegebenen Vektoren gebildet. Das heißt, x→,y→∈U⟹x+y→∈U und ∀λ∈ℚ:x→∈U⟹λ⋅x→∈U.

Polynome als Vektoren

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Wir verwenden als Basis die Standardbasis für Polynome: B={1,x,x2,x3,x4}, also einen Raum mit der Dimension dim⁡(𝐕)=𝟓.

p1(x)=1+x−x2⟹b1→=(1,1,−1,0,0)p2(x)=(−1)+5⋅x−4⋅x2⟹b2→=(−1,5,−4,0,0)p3(x)=4−2⋅x+x2⟹b3→=(4,−2,1,0,0)


Zu zeigen ist, welcher minimale Teilraum aus diesen drei gegebenen Vektoren gebildet werden kann. Das ist die lineare Hülle dieser Vektoren U=span⁡(b1→,b2→,b3→). Die lineare Hülle (Spann) einer Menge von Vektoren S={x1,…,xn} ist definiert als span⁡(S)={∑i=1nλi⋅xi|λi∈ℚ}.


Wir überprüfen, welche Linearkombinationen aus diesen drei Vektoren gebildet werden können:

λ1⋅b1→+λ2⋅b2→+λ3⋅b3→,λi∈ℚ,i∈{1,2,3}.


λ1⋅1+λ2⋅(−1)+λ3⋅4=λ1−λ2+4⋅λ3λ1⋅1+λ2⋅5+λ3⋅(−2)=λ1+5⋅λ2−2⋅λ3λ1⋅(−1)+λ2⋅(−4)+λ3⋅1=−λ1−4⋅λ2+λ3λ1⋅0+λ2⋅0+λ3⋅0=0λ1⋅0+λ2⋅0+λ3⋅0=0

Lineare Unabhängigkeit

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Es ist zwar nicht explizit verlangt, aber wir führen die Überprüfung trotzdem durch, ob diese drei Vektoren linear unabhängig sind.

A=(1−1415−2−1−41000000)Z2−Z1→Z2Z3+Z1→Z3→(1−1406−60−55000000)Z1+(1/6)⋅Z2→Z1Z2+Z3→Z26⋅Z3+5⋅Z2→Z3→(10301−1000000000)


Da der Spaltenrang rk⁡(A)=2 ist, sind die drei vorgegebenen Vektoren nicht linear unabhängig ⟹ Die drei Polynome sind ebenfalls nicht linear unabhängig.

Wir haben einen Vektorraum der Dimension dim⁡(V)=5 und einen Unterraum der Dimension dim⁡(U)=2. Daher hat U die Kodimension codimV(U)=dim⁡(V)−dim⁡(U)=3. Daher lässt sich U als Lösungsraum eines homogenen linearen Gleichungssystems mit drei linear unabhängigen Gleichungen darstellen.


Für diese Normalenvektorengleichung müssen wir die nachstehende Gleichung AT⋅ν→=0V→,ni∈ℚ,i∈{1,2,3,4,5} lösen. Das ist nichts anderes als der Kern ker⁡(AT) der transponierten Matrix von A:^


A=(1−1415−2−1−41000000)↦AT=(11−100−15−4004−2100)→AT⋅(n1n2n3n4n5)=0V→.


Aus dem Gleichungssystem lesen wir die drei Gleichungen (Zeilen) aus:

n1+n2−n3+0⋅n4+0⋅n5=0.−n1+5⋅n2−4⋅n3+0⋅n4+0⋅n5=0⟹Zeile1+Zeile2⟹6⋅n2=5⋅n3⟹n3=65⋅n2.4⋅n1−2⋅n2+n3+0⋅n4+0⋅n5=0⟹4⋅n1−45⋅n2=0⟹n2=5⋅n1∧n3=6⋅n1.


D.h. unsere Normalenvektoren haben grundsätzlich folgende Gestalt:ni∈ℚ,i∈{1,…,5}:

ν→=(n1,5⋅n1,6⋅n1,n4,n5)


Da wir drei linear unabhängige Vektoren als Normalenvektoren (ν1,ν2,ν3) benötigen, setzen wir (frei) für ν1:n1=1,n4=0,n5=0, für den zweiten Normalenvektor für ν2:n1=0,n4=1,n5=0ein und für den dritten ν3:n1=0,n4=0,n5=1 und erhalten die Normalenvektor:

  • Normalenvektoren:𝝂𝟏→=(𝟏,𝟓,𝟔,𝟎,𝟎)𝝂𝟐→=(𝟎,𝟎,𝟎,𝟏,𝟎)𝝂𝟑→=(𝟎,𝟎,𝟎,𝟎,𝟏)


In der Angabe haben wir die Menge aller Polynome a0+a1⋅x+a2⋅x2+a3⋅x3+a4⋅x4 vom Grad ≤4 mit Koeffizienten ai aus ℚ, also kurz ℚ[X]≤4 gegeben.

Aus den drei linearen Gleichung der Normalenvektoren können wir die Gleichung für den Unterraum U ableiten:

ν1→=(1,5,6,0,0)⟹𝐚𝟎+𝟓⋅𝐚𝟏+𝟔⋅𝐚𝟐=𝟎
ν2→=(0,0,0,1,0)⟹𝐚𝟑=𝟎
ν3→=(0,0,0,0,1)⟹𝐚𝟒=𝟎


  • Der Vektorraum U, also die lineare Hülle aus den drei gegebenen Polynomen (≡ Vektoren), umfasst damit:
U={a0+a1⋅x+a2⋅x2+0⋅x3+0⋅x4| mit a0,a1,a2∈ℚ∧a0+5⋅a1+6⋅a2=0∧a3=a4=0}.


D.h. jene Polynome, bei denen die konstante, die linear und die quadratische Komponente in Zusammenhang stehen und deren dritte und vierte Potenz verschwindet.

Linearkombinationen

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Wir stellen nun alle möglichen Linearkombinationen auf, welche aus diesen drei Vektoren gebildet werden können. Der aufgespannte, dass bedeutet bereits minimale, Raum dieser drei Polynome im gegebenen Polynom-Vektorraum ist bei beliebig ausgewähltem λ1,λ2,λ3∈ℚ gegeben durch die Beziehung. Das ist die lineare Hülle dieser drei Vektoren:

(λ1−λ2+λ3λ1+5⋅λ2−2⋅λ3−λ1−4⋅λ2+λ300)


Diese Linearkombination erzeugt alle möglichen Vektoren, die aus den drei vorgegebenen Vektoren gebildet werden können, also die lineare Hülle.


Da die Matrix A nur zwei linear unabhängige Vektoren umfasst, erhalten wir als Unterraum einen Raum der Dimension dim⁡(𝐔)=𝟐, obwohl dim⁡(V)=5.

Durch die Normalenform-Bestimmung können wir nun den Spann etwas genauer angeben:

𝐔={𝐚𝟎+𝐚𝟏⋅𝐱+𝐚𝟐⋅𝐱𝟐+𝟎⋅𝐱𝟑+𝟎⋅𝐱𝟒|𝐚𝟎+𝐚𝟏⋅𝐱+𝐚𝟐⋅𝐱𝟐+𝐚𝟑⋅𝐱𝟑+𝐚𝟒⋅𝐱𝟒 mit 𝐚𝟎,𝐚𝟏,𝐚𝟐∈ℚ∧𝐚𝟎+𝟓⋅𝐚𝟏+𝟔⋅𝐚𝟐=𝟎∧𝐚𝟑=𝐚𝟒=𝟎}.

Unterraum in Polynomdarstellung

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Aus der Normalenvektor-Gleichung haben wir die folgenden Gleichungen erhalten:

a0+5⋅a1+6⋅a2=0∧a3=a4=0,ai∈ℚ

Wir lösen nach a0 auf und setzen in die allgemeine Gleichung p(x)=∑i=04ai⋅xi ein und heben die ai heraus:

a0+5⋅a1+6⋅a2=0⟹a0=(−5⋅a1−6⋅a2)⟹p0(x)=(−5⋅a1−6⋅a2)+a1⋅x+a2⋅x2+0⋅x3+0⋅x4⟹⟹p0(x)=(−5⋅a1−6⋅a2)+a1⋅x+a2⋅x2=(−5)⋅a1−6⋅a2+a1⋅x+a2⋅x2=a1⋅(x−5)+a2⋅(x2−6).

Polynomdarstellung des Teilraumes U mittels p0(x):

𝐩𝟎(𝐱)=𝐚𝟏⋅(𝐱−𝟓)+𝐚𝟐⋅(𝐱𝟐−𝟔).◼

Wikipedia:

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