TU Wien:Analysis VU (diverse)/Übungen 2026S/Beispiel 10

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Sei an=sin⁡(n)n4 für n≥1. Man zeige, dass die Folge an konvergiert, indem man zu beliebigem ε>0 ein N(ε) angebe.

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Siehe auch TU Wien:Analysis UE (diverse)/Übungen SS17/Beispiel 10

Folgen reeller Zahlen

Siehe auch Hilfe:Analysis#Analysis VU (diverse)/Übungen 2026S/Beispiel 10.

Beschränktheit

Beschränktheit von Folgen und Reihen:

  • ⟨xn⟩n∈ℕ heißt nach {obenunten} beschränkt ⟺∃a∈ℝ∀n∈ℕ:{xn≤aobere Schrankexn≥auntere Schranke
  • ⟨xn⟩n∈ℕ heißt beschränkt, wenn diese sowohl nach unten, als auch nach oben beschränkt ist.
Grenzwert

Eine reelle Zahl a heißt Grenzwert (oder Limes) der Folge (an)n≥0, falls in jeder ϵ-Umgebung von a fast alle Folgenglieder an liegen, d.h., falls

∀ϵ>0∃N(ϵ)∈ℕ∀n>N(ϵ):|an−a|<ϵ   (Definition 4.4)

Konvergenz von Folgen

Konvergenzeigenschaften von Folgen:

  1. Jede konvergente Folge ist beschränkt.
  2. Eine monotone Folge ist genau dann konvergent, wenn sie beschränkt ist.
    In ℝ (aber z.B. nicht in ℚ!) gilt:
    • an↗:limn→∞an=sup(an)n∈ℕ
    • an↘:limn→∞an=inf(an)n∈ℕ
  3. lim⁡xn=x,lim⁡yn=y⟹{lim⁡(xn±yn)=x±ylim⁡(xn⋅yn)=x⋅ylim⁡(xnyn)=xyyn,y≠0
Vollständige Induktion
Vollständige Induktion[Bearbeiten, Wikipedia]
  1. Induktionsanfang (IA)
  2. Induktionsschritt (IS): Induktionsvoraussetzung (IV) ⇒ Induktionsbehauptung (IB)

Lösungsvorschlag von Har203

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--Har203 08:07, 7. Mär. 2026 (CET)

Man zeige, dass die Folge ⟨an⟩n∈ℕ konvergiert, indem man zu beliebigem ε>0 ein N(ε) und ein geeignetes a angebe, sodass ∀n>N(ε):|an−a|<ε.

an=sin⁡(n)n4,n≥1.


  • Anmerkung zum Endergebnis: Eigentlich müsste man im Ergebnis die Schranke für N(ε)=max⁡(1,⌊1ε4⌋) definierten. Da die Folge ⟨an⟩ für den Index 0 gar nicht definiert ist, lassen wir diese Fallunterscheidung weg.


Wir schauen uns die ersten Glieder von ⟨an⟩ an. Da die Folge x4 nur sehr langsam steigt, verwenden wir hier die 10er Potenzen:

n=ann4n=ann410,841470985110−0,3059255521,77827941100−0,1601268753,1622776610000,1470422865,62341325210000−0,030561439101000000,00201030317,78279411000000−0,01106776631,6227766100000000,00747851556,234132521000000000,00931639100


Wir zerlegen diese Folge in ihre Bestandteile:⟨bn⟩:bn=sin⁡(n),⟨cn⟩:cn=n4,n≥1.


  • Die Folge ⟨bn⟩ mit bn=sin⁡(n) hat den Bildbereich [−1,+1], ist damit beschränkt und es gilt |bn|=|sin⁡(n)|≤1. Damit kann die Folge ⟨bn⟩ den gesamten Term betragsmäßig nicht vergrößern, sondern nur kleiner oder gleich belassen.
  • Die Folge ⟨cn⟩ mit cn=n4 ist unbegrenzt, streng monoton steigend, limn→∞cn=limn→∞n4=+∞.
  • Daher ist ⟨dn⟩ mit dn=1cn=1n4 streng monoton fallend und konvertiert als Nullfolge gegen den Grenzwert a=0.
Beweis: Sei ε>0,ε∈ℝ gegeben und a=0 der vermutete Grenzwert. Zu zeigen ist, dass ∃N(ε)∈ℕ mit |dn−0|<ε, für alle n>N(ε)⟹|1n4−0|=|1n4|=1n4<ε⟹1ε<n4⟹N(ε)=⌊1ε4⌋<n⟹⟨dn⟩ konvergiert gegen 0.
  • Da die Folge bn=sin⁡(n) beschränkt ist und dn=1n4 streng monoton fallend und als Nullfolge gegen den Grenzwert a=0 konvergiert, gilt:
limn→∞ sin⁡(n)n4=0, also ∀ε>0:∃N(ε)∈ℝ+ mit |an−0|=|an|=|sin⁡(n)n4|=|sin⁡(n)|n4<ε,∀n>N(ε).

⟹ Das wäre als Beweis der Konvergenz der Folge ⟨an⟩ ausreichend. Wir werden die Konvergenz zusätzlich über das Sandwich-Theorem zeigen.


Sandwich-Theorem:

Seien ⟨a⟩n∈ℕ und ⟨b⟩n∈ℕ konvergente Folgen mit limn→+∞an=limn→+∞bn=a. Weiters gilt für die Folge ⟨c⟩n∈ℕ mit an≤cn≤bn für fast alle (= alle, bis auf endlich viele) n∈ℕ ⟹ Dann folgt die Konvergenz von cn und es gilt limn→+∞cn=a.


Für unsere Folge bedeutet das Theorem, dass wir zwei Folgen benötigen, welche die Folge ⟨an⟩ einschließen, von denen die Konvergenz bekannt ist und deren Grenzwerte zusätzlich gleich sein müssen.


Wir zeigen zuerst, dass wir eine obere Schranke durch die Folge dn=1n4 bereits haben.

∀n≥1∈ℕ,:|an|=|sin⁡(n)n4|=|sin⁡(n)|n4≤1n4, mit limn→∞dn=limn→∞1n4=0.


Für die untere Schranke bilden wir die negative Folge von dn:⟨e⟩n∈ℕ mit en=−dn=−1n4. Die Folge konvertiert wieder gegen den Grenzwert 0.

Wir haben oben bereits gezeigt, dass |sin⁡(n)|n4≤1n4 gilt. Im negativen Bereich haben wir die umgekehrte Eigenschaft: −|sin⁡(n)|n4≥−1n4.


Damit gilt für unsere Folge ⟨an⟩:en=−1n4≤an=sin⁡(n)n4≤dn=1n4 mit den Grenzwerten:

limn→+inftyen=limn→+inftydn=0. Nach dem Sandwich-Theorem folgt nun ⟹limn→+inftyan=0.



⟹ Die Folge ⟨an⟩ konvergiert gegen den Grenzwert 0.


Wir geben noch zu einem beliebigen ε>0 die Schranke N(ε)∈ℕ an.

  • Wir haben oben bereits im Beweis gezeigt, dass dn gegen den Grenzwert 0 konvergiert. Dabei haben wir die Abschätzung für N(ε)=⌊1ε4⌋<n gezeigt. Dabei ist N(ε)∈ℕ. Wir verwenden hier die Auswahl der Folgenglieder mit dem Kleinerzeichen N(ε)<n. Daher können wir im Ausdruck für N(ε)=⌊1ε4⌋ abrunden.


  • Die angegebene Folge an konvertiert gegen den Grenzwert:
limn→∞an=limn→∞sin⁡(n)n4=0.


Gesamtergebnis: a=0 und N(ε)=⌊1ε4⌋. ◼

Wikipedia:

Ähnliche Beispiele: