TU Wien:Algebra und Diskrete Mathematik VU (diverse)/Übungen 2025W/Beispiel 542

Aus VoWi
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Sei V=ℝn[x] der Vektorraum der Polynome in x vom Grad ≤n mit Koeffizienten aus ℝ. Sei weiters eine Abbildung F definiert durch

F(p(x))=p(x+1)−p(x).

Untersuchen Sie, ob F eine lineare Abbildung ist. Untersuchen Sie F weiters auf Injektivität und Surjektivitat.

Bestimmen Sie die Matrix der linearen Abbildung F bezüglich der Basis B={x0,x1,…,xn} von V.


Dieses Beispiel ist als solved markiert. Ist dies falsch oder ungenau? Aktualisiere den Lösungsstatus (Details: Vorlage:Beispiel)


Lineare Abbildung

Definition:

Seien <V,⊕,K> und <W,⊞,K> Vektorräume über dem Körper K.

f:V→W heißt lineare Abbildung (Homomorphismus), wenn

  1. ∀x→,y→∈V:f(x→⊕y→)=f(x→)⊞f(y→)
  2. ∀λ∈K:f(λx→)=λf(x→)

Jede lineare Abbildung kann auch durch eine Matrix M festgelegt werden, für die gilt:

∀x→∈V:f(x→)=Mx→

Umgekehrt legt jede Matrixn×m eine lineare Abbildung fest.

Abbildungsmatrix

Lösungsvorschlag von Har203

[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

--Har203 02:01, 5. Jan. 2026 (CET)

Sei V=ℝn[x] der Vektorraum der Polynome in x vom Grad ≤n mit Koeffizienten aus ℝ. Sei weiters eine Abbildung F definiert durch

F(p(x))=p(x+1)−p(x).

Untersuchen Sie, ob F eine lineare Abbildung ist. Untersuchen Sie F weiters auf Injektivität und Surjektivitat.

Bestimmen Sie die Matrix der linearen Abbildung F bezüglich der Basis B={x0,x1,…,xn} von V.

  1. ∀x→,y→∈V:f(x→⊕y→)=f(x→)⊙f(y→)∈W
  2. ∀λ∈K:f(λ⋅x→)=λ⋅f(x→)∈W

Wir haben hier zwei Möglichkeiten diese Abbildungsmatrix aufzustellen:

  • ) Als Abbildung von V=ℝn[x]→W=ℝn−1, bei der es weder eine Injektivität, noch eine Bijektivität der Abbildung geben kann, oder
  • ) als Endomorphismus von V=ℝn[x]→W=ℝn, bei der es durch den Dimensionsverlust weder eine Surjektivität, noch eine Bijektivität der Abbildung geben kann.

Beweis der additiven Verträglichkeit

[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gegeben seien zwei Polynome p(x)=∑k=0npk⋅xk und q(x)=∑k=0nqk⋅xk beide ∈V=ℝn[x] vom Grad ≤n mit pk,qk∈ℝ für k=0,…,n.

Zuerst schauen wir uns die ersten Abbildungen für :n=0,n=1,…,n=4 an.

𝐧=𝟎:F(∑k=00pk⋅xk)=F(p0)=(∑k=00pk⋅(x+1)k)−(∑k=00pk⋅xk)=p0⋅(x+1)0−p0⋅x0=0𝐧=𝟏:F(∑k=01pk⋅xk)=F(p0+p1⋅x1)=(∑k=01pk⋅(x+1)k)−(∑k=01pk⋅xk)=(p0⋅(x+1)0+p1⋅(x+1)1)−(p0⋅x0+p1⋅x1)=p1𝐧=𝟐:F(∑k=02pk⋅xk)=F(p0+p1⋅x1+p2⋅x2)=(∑k=02pk⋅(x+1)k)−(∑k=02pk⋅xk)=p1+p2⋅((x+1)2−x2)=p1+p2⋅(∑k=0n−1(nk)⋅xk)𝐧=𝟑:F(∑k=03pk⋅xk)=F(p0+p1⋅x1+…+p3⋅x3)=(∑k=03pk⋅(x+1)k)−(∑k=03pk⋅xk)=p1+(∑k=0n−1(3k)⋅xk)𝐧=𝟒:F(∑k=0npk⋅xk)=(∑k=0npk⋅(x+1)k)−(∑k=0npk⋅xk)=∑j=0npj⋅((x+1)j−xj)=∑j=0npj⋅(−(xj)+(∑k=0j(jk)⋅xk))=∑j=0npj⋅(∑k=0j−1(jk)⋅xk)

Zu zeigen ist, dass ∀p(x)∈V und q(x)∈Vgilt:F(p(x)+q(x))=F(p(x))+F(q(x))∈W bzw. ∈ℝn−1[x], da die Dimension um 1 vermindert wird F(p(x)+q(x))=F((∑k=0npk⋅xk)+(∑k=0nqk⋅xk))=F(∑k=0n(pk+qk)⋅xk)=(∑k=0n(pk+qk)⋅(x+1)k)−−(∑k=0n(pk+qk)⋅xk)=(∑j=0n(pj+qj)⋅((x+1)j−xj))=∑j=0n(pj+qj)⋅(∑k=0j−1(jk)⋅xk)F(p(x))+F(q(x))=∑j=0npj⋅(∑k=0j−1(jk)⋅xk)+∑j=0nqj⋅(∑k=0j−1(jk)⋅xk)=∑j=0n(pj+qj)⋅(∑k=0j−1(jk)⋅xk)∈ℝn−1[x]√q.e.d..

Beweis der multiplikativen Verträglichkeit

[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gegeben sei wieder das oben definierte Polynom p(x).

Zu zeigen ist, dass ∀p(x)∈V und λ∈ℝ:F(λ⋅p(x))=λ⋅F(p(x))∈ℝn[x] gilt. F(λ⋅p(x))=F(λ⋅(∑k=0npx⋅xk))=F(∑k=0nλ⋅px⋅xk)=(∑k=0nλ⋅pk⋅(x+1)k)−(∑k=0nλ⋅pk⋅xk)==λ⋅((∑k=0npk⋅(x+1)k)−(∑k=0npk⋅xk))=λ⋅F(p(x))∈W=ℝn−1[x]√ q.e.d.

⟹F ist eine lineare Abbildung.

Diese lineare Abbildung bildet vom Vektorraum V=ℝn[x] in den Vektorraum W=ℝn−1[x] ab. W hat eine niedrigere Dimension als V. Daher kann diese lineare Abbildung weder injektiv noch bijektiv sein. Für die Abbildungsmatrix benötigen wir eine (n)×(n+1)-Matrix. Die Basis ist bezüglich V=(x0,x1,…,xn) und bezüglich W=(x0,x1,…,𝐱𝐧−𝟏).

Wir schauen uns die Bilder der Basisvektoren an (eigentlich als Spaltenvektor: da es platzsparender ist, als transponierter Vektor):

F(x0)=(x+1)0−x0=0→(0(0,0),0,0,0,0,⋯,0(0,n−1))TF(x1)=(x+1)1−x1=1→(1(1,0),0,0,0,0,⋯,0(1,n−1))TF(x2)=(x+1)2−x2=2⋅x+1→(1(2,0),2,0,0,0,⋯,0(2,n−1))TF(xr)=∑k=0r−1(rk)⋅xk→(1(r,0),(r1),(r2),⋅⋅,(rr−1),⋅⋅,0(r,n−1))TF(xn)=∑k=0n−1(nk)⋅xk→(1(n,0),(n1),(n2),(n3),⋯,(nn−1)(n,n−1))T

D.h. unsere Abbildungsmatrix F hat die Dimension (n)×(n+1), besteht aus den oben angegebenen Spaltenvektoren, hat folgende Eigenschaften und schaut mit zusätzlicher Überschrift in der Matrix folgend aus:

  • Die Diagonale (i.-te Zeile und j.-ten Spalte mit i=j) hat lauter 0er,
  • unterhalb dieser Diagonale (für i>j stehen auch lauter 0er,
  • direkt oberhalb der Diagonale stehen die Binomialkoeffizienten \binom{j-1}{i-1} von der i.-ten Zeile und j.-ten Spalte für (j>i).

F=(x0x1x2x3x4⋯xn0(0,0)1111⋯1(0,n)0(1,0)0234⋯(n1)(1,n)0(2,0)0036⋯(n2)(2,n)0(3,0)0004⋯(n3)(3,n)0(4,0)0000⋯(n4)(4,n)0(5,0)0000⋯(n5)(5,n)⋮⋮⋮⋮⋮⋱⋮0(n−1,0)00000(n1−1)(n−1,n))

Abbildung bzw. Matrix injektiv, surjektiv, bijektiv

[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ist diese Abbildung injektiv, surjektiv oder bijektiv?

Wir haben oben bereits erwähnt, dass wir zwei Möglichkeiten für diese Abbildungsmatrix zum Aufstellen haben:

  1. Als Abbildung von V=ℝn[x]→W=ℝn−1, bei der es weder eine Injektivität, noch eine Bijektivität der Abbildung geben kann, oder
  2. als Endomorphismus von V=ℝn[x]→W=ℝn, bei der es durch den Dimensionsverlust weder eine Surjektivität, noch eine Bijektivität der Abbildung geben kann.


Ad 1: Diese lineare Abbildung bildet vom Vektorraum V=ℝn[x],dim⁡(V)=(n+1) in den Vektorraum W=ℝn−1[x],dim⁡(W)=n ab. W hat eine niedrigere Dimension als V. Daher kann diese lineare Abbildung weder injektiv noch bijektiv sein. Der Kern der Matrix sind der Nullvektor zusammen mit der Menge der Konstanten x0∈ℝ mit den Vektoren x→=(x0,0,0,⋯,0n)T. D.h. die Dimension des Kerns, der Defekt def⁡(F)=1. Es gilt, dass der Bildraum dim⁡(V)=(n+1)−1=n ist, also hat die Matrix den Rang n und die Abbildung ist surjektiv.


Ad 2: Diese lineare Abbildung bildet einen Endomorphismus (W=V) vom Vektorraum V=ℝn[x],dim⁡(V)=(n+1) in den selben Vektorraum W=ℝn[x],dim⁡(W)=(n+1) ab. W hat die gleiche Dimension wie V. Der Kern der Matrix ist wieder der Nullvektor zusammen mit der Menge der Konstanten ℝn[x]. Zusätzlich führt die Abbildung eine Reduktion der höchsten Potenz aus. Daher kann die höchste Potenz xn nicht als Bild der Abbildung auftreten. D.h. die Abbildung kann nicht injektiv, nicht surjektiv und damit auch nicht bijektiv sein.

◼

Wikipedia:

Ähnliche Beispiele: